Was mir hilft u. gut tut

Da ich dies selbst in einem Beitrag aufgeworfen habe, möchte ich mir hiermit selbst folgen und aufschreiben, was mir gut tut,
bzw. was ich mache, um mir selbst zu helfen
wenn es mir zeitweise ganz grausam geht.
Und abgesehen von der wöchentlichen Therapiestunde.



Am meisten hilft es mir, mit meinem Mann zu sprechen.
Ich habe das große Glück, mit ihm über alles – wirklich alles – sprechen zu können.
Weil er inzwischen mit und durch mich gelernt hat, dass Unausgesprochenes oft eine viel größere Bedrohung darstellt, als Gesagtes.

Und auch, weil wir gelernt haben, uns aufeinander verlassen zu können.
Dass wir niemals bewußt und absichtlich Dinge tun, um uns zu verletzen oder abzuwerten.

Und gerade in Zeiten, in denen ich dem Sterben näher bin, als dem Durchhalten, tut es immens gut, dies dem Partner mitteilen zu dürfen, Verständnis und Liebe zu bekommen; Stärke, Kraft und Sein-dürfen.
Und oft auf diese Weise eben doch die Klippe nicht zu überschreiten.

Sollte jemand nun glauben, dies sei eine grausame Last für einen Partner, darf er gerne überdenken, wie groß die Last wohl wäre, nichts davon zu wissen – und am Ende traurig alleine zu stehen.
Ich versuche jedoch, jetzt da ich auch Alternativen habe, meinem Mann nicht mehr „das Ganze“ auf die Schultern zu laden und ihm Luft und Erholung zu lassen.


Insgesamt hilft mir fast alles, das mit Kommunikation zu tun hat.
Ob ich rede, schreibe oder lese.
Zu merken, dass da „noch andere“ sind.
Nicht einsam zu sein und reflektiert zu werden.
Das Leben zu merken – auch das von anderen.

So schreibe ich hier meinen Blog, in welchem ich frei von der Leber weg allen „Dampf“ heraus lasse und mich förmlich leer kotze.
Ungezügelt, unzensiert und rücksichtslos.
So schlimm das klingt, aber dies hier ist meine Seelenmüllhalde.
Und doch ist sie kein Abfall – da sehr vieles hier äußerst wertvoll in seiner Erkenntnis für mich ist.
Auch und gerade durch die Menschen, die wohl ebenfalls ab und zu hier ein Schätzchen entdecken oder hier lassen.


Auch mein Glaube hilft mir sehr.
Dass ich daran glaube, dass Gott mir ein Freund ist, mich liebt und nicht alleine läßt – egal, was passiert oder wie/was/wer ich bin im Moment.
Und er mir hilft, meinen Weg zu finden.


Ich fahre absolut auf Krimis ab und Psychothriller.
Je nachdem schaue ich mir die Wiederholung, der Wiederholung, der Wiederholung aller Criminal Minds-Folgen an
Oder auch fast alle andere TV-Sendungen, in welchen die Täter immer gefangen und bestraft werden – und die Opfer Opfer sind. Statt wie so oft in der Realität so lange belabert zu werden, bis sie kaum noch wissen, ob überhaupt irgendwas passiert ist.

Zur Zeit hab ich Sebastian Fitzek am Wickel, dessen Bücher mir gut gefallen.
Aber hier steht auch Katzenbach, Adler Olsen, Simon Beckett, Michael Robotham, Greg Iles, Kelley Armstrong,  …. – möglichst ALLE Bücher, die sie bisher auf Deutsch veröffentlicht haben.


Meine Tochter hatte mir zu Weihnachten einen elektrischen Rückenwärmer geschenkt, auf welchen ich mich gerne lege, wenn mein Nacken und Rücken wieder so schmerzhaft verspannt sind.


Ein Tens-Gerät hatte ich von meiner Hausärztin auch einst bekommen.
Da ich aber keine gscheite Anleitung habe, wohin man bei welchen Beschwerden bestenfalls die Elektroden kleben soll und mir das mit dem Strom ein bißchen gruselig ist, nutze ich das Gerät nur im schlimmsten Fall.


Gut ist auch Finalgon extra stark, wenn die Muskeln weh tun.
Die Hitze und das Brennen lassen den Schmerz anders werden und tun mir gut.


Pfefferminzöl/japanisches Heilöl/Wick Vapurub auf meiner Brust helfen mir, wenn ich wieder einmal nur huste.
Wenn ich aus lauter Gefühl, etwas auf der Brust hocken zu haben; gewürgt zu werden oder geschüttelt, kaum atmen kann.


Mit meinen ständigen, psychosomatischen Magen-Darm-Problemen hatte mir die Hausärztin zu Iberogast-Tropfen geraten, die mir tatsächlich gute Dienste leisten.


Auch Mucofalk orange kann ich empfehlen.
Das sind aufbereitete Flohsamen mit Orangengeschmack, die ich entgegen der Anleitung nicht in Wasser trinke, sondern in Joghurt oder Buttermilch einrühre.
Sie machen den Stuhlgang je nach Bedarf lockerer oder fester – letztlich glitschig geformt – und vermeiden diese ständigen, grausamen Bauchschmerzen.


Wenn mein Kopf nicht aufhören kann, beständig und unaufhörlich zerstörerische Gedanken zu denken, dann hilft mir auch mal ein Gläschen Jägermeister.
Es scheint meinen Geist zu entspannen und ihn ein bißchen egal werden zu lassen.
Viel braucht es nicht und auch nicht oft.
Aber hin und wieder ist es hilfreich, den Kopf ein bißchen abzuschalten.


Ich liebe es auf dem Balkon zu sitzen und einfach nur den Tieren zuzusehen.
Insekten, die auf meinen Balkonpflanzen herumturnen; Vögel suchende Katzen – oder die Vögelchen selbst.
Die Kirchenglocken, das Rauschen der Autobahn, summen, zwitschern und auch das Kreischen und Krächzen der Eichelhäher.


Meine Pflanzen tun mir auch sehr gut.
Sie zu streicheln, mit ihnen zu reden; ihnen zu sagen, wie sehr ich mich an ihnen freue.
Es mag merkwürdig anmuten – und doch tut es gut.
Wertschätzung auszudrücken und sich auf die Freude zu zentrieren.


Ich backe sehr gern.
Da mein Mann jedoch keinen Kuchen ißt, macht es leider keinen Sinn.
Aber ich koche auch gerne.
Oft hilft es, mich mit diesen Alltagsdingen (auch Putzen ist gut) wieder zu erden und zum Heute zurück zu finden.


Onlinespiele auf facebook habe ich lange Zeit fast exzessiv gespielt.
Im Moment merke ich, dass dieses Bedürfnis nachläßt.
Und vielleicht ist diese Zeit ja nun um – wie Dinge meist von alleine von mir gehen, sobald etwas in mir geheilt ist, das zuvor noch schrie.


Seit einigen Tagen versuche ich mich im Häkeln.
Das habe ich seit 30 Jahren oder länger nicht gemacht.
Ich stelle fest, dass das Tier das ich häkle ein bißchen so werden wird, wie ich.

Die Füllung ist sehr weich.
Durch die Weichheit wird es auch ein bißchen verbeult.
Es bekommt auch 2 verschiedene Ohren – weil ich einfach nicht gleichmäßig häkeln kann.
Dafür aber ein ganz putziges Gesicht mit viel zu kleinen Augen.

Und doch habe ich große Freude daran und merke, dass es mir gut tut.


Es hilft mir auch, meine Wohnung so zu gestalten, dass ich hier ein schützendes und geborgenes Heim und Versteck für mich habe.
Mir Dinge zu besorgen, die auch dem kleinen Mädchen in mir gut tun und Freude machen.


Manchmal auch die Musik.
Aber es fällt mir oft schwer, mich darauf einzulassen.
Dies gelingt viel besser beim Autofahren – was mir ebenfalls sehr gut tut.

Im Auto bei Sonne, geöffneten Fenstern und Überland – da fühle ich Lebendigkeit und Freiheit. Und da kann ich auch lautschrecklich zur Musik singen.


Auch das Anzünden von Räucherstäbchen ist mir hilfreich, wenn ich gerne zur Ruhe kommen mag.
Orangenblüten liebe ich und Weihrauch – aber auch andere, eher herbe, dunkle Düfte mag ich sehr gerne.


Da ich z.Zt. oftmals sehr starke Schmerzen im Gesicht habe; mir alles anfühlt, als wolle meine Gesichtshaut vom Knochen explodieren, habe ich mir eine neue Hilfe entdeckt.
Bei KIK gibt es für kleines Geld quadratische, recht dünne, kleine „Waschlappen“ für Babys.
Diese mache ich auf Hälfte zusammengelegt naß, wringe sie sehr stark und eingerollt aus und lege sie genauso in sich gerollt in mein Gefrierfach.
Bei Bedarf entrolle ich ein gefrohrenes und knirschendes Tüchlein und lege es mir direkt auf das Gesicht. Nehme die flachen Hände vorsichtig, um es sanft anzudrücken. Dies ist mir sehr hilfreich.

Meine Therapeutin erzählte von einer (anonymen) Patientin, welche in leere Joghurtbecher Wasser füllt und einen alten Eisstiel dazu stellt, um dieses dann im Gefrierfach zu Eis werden zu lassen.
Wenn es ihr schlecht geht, reibt sie in der Dusche ihren gesamten Körper mit diesem Eis ab, bis es vollständig geschmolzen ist. Dies scheint ihr sehr zu helfen.
Für mich persönlich wäre diese „Größenordnung“ eher schrecklich.


Früher half mir auch Johanniskraut.
Jenes aus der Apotheke hatte mir schon immer Magenbeschwerden gemacht – das niedriger dosierte in den Drogerien war jedoch super. Es half mir bei zu schlimmen selbstzerstörerischen Gedanken und Traurigkeit wieder aus dem Loch zu kommen.
Inzwischen vertrage ich leider auch das nicht mehr. Ich bekomme starke Oberbauchschmerzen davon und Sodbrennen.


Insgesamt versuche ich bewußt freundlich und liebevoll mit mir selbst zu sein.
Mich nicht zu Dingen zu zwingen.
Auch nicht Dinge zu tun, die „noch nicht soweit sind“ – sondern abzuwarten, bis Änderungen „reif sind“.

Erfahrungsgemäß ergaben sich in meinem Leben gravierende Veränderungen immer ganz von alleine.
Ich muß nichts forcieren; mich überwinden oder mich zwingen – auch dies ist Gewalt.


Ich versuche, nachsichtig mit mir zu sein. Fehler zwar wahrzunehmen – sie mir jedoch nicht zu verübeln.
Sie sind Teil meiner Heilung.


Auch schlafe ich viel – meist, wenn es mir nicht gut geht und die Heilung durch Träume oder Ruhe passiert.


Ich versuche, viel Freude und Lachen in meinem Leben zu haben; zu suchen; mich einzulassen.


Und schwere Phasen, Traurigkeit oder Umbrüche als wichtigen Teil der Heilung anzuerkennen.
Statt dagegen anzukämpfen und sie „schlecht“ zu empfinden, sie vielmehr anzunehmen und gut zu ihnen zu sein.



Sollten mir weitere Dinge einfallen, füge ich sie gerne hier noch an.
Bis dahin freue ich mich auch an vielleicht euren Listen mit guten Tips und wünsche Euch, dass es euch gut geht ❤

Sehr gerne dürft ihr hier in den Kommentaren eigene Listen verlinken, solltet ihr soetwas haben. Danke.

12 Kommentare zu “Was mir hilft u. gut tut

  1. Wow, hast Du ne Menge Helfer aufgetan. Ich bin noch dabei zu sammeln und komisch, da ist eine Blockade im Hirn – wieder einer in mir der da wirkt, weil er will, dass alles bleibt wie es ist… Das Sternchen konnte ich nicht drücken (ich wollte meinem/Deinem Vorsatz ja treu bleiben und die Sternchenvergabe ernst nehmen) aber das Wörtchen „rücksichtslos“ hat mich doch sehr gestört. Aber es hat mir auch geflüstert, dass Du immer noch „rücksichtslose“ Seiten in Dir hast (was natürlich nicht verwunderlich ist, bei Deiner Geschichte) und zwar auch gegen Dich selbst. Deshalb bekamst Du kein Sterchen von mir – obwohl dieser Beitrag es sonst wirklich verdient, Ein einziges störendes Wort ….ja so bin ich – sorry. Meine Klara Gründlich ist nun mal sehr genau.
    Alles Liebe für Dich auf Deinem konstruktiven Weg!
    Melinas

    Gefällt 1 Person

    • *Lächel*
      Danke für dein feedback.
      Und ja, da hast Du wohl Recht…. jetzt, wo ich es hier so lese….
      Zum Glück ist mein „Jetzt-Zustand“ ja kein „Soll- oder Bleibt-Zustand“, sondern nur jenes, das heute, gerade ist.
      Und somit habe ich wenigstens noch Aufgaben in meinem Leben – wo ich oft doch glaube, mein Leben sei so sinnlos.
      Aufgaben sind gut. 🙂

      Auch dir und Euch alles Liebe und viel Kraft und Hoffnung auf dem Weg zum Selbst ❤

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  2. Pingback: Da ham mer wieder eine…. Zündung – Missbrauch, Folgen und der Weg

  3. Vielen Dank für diese Zeichen und Zeilen der Hoffnung.
    Vielleicht werde ich auch eines Tages anfangen (können), eine solche Liste zu schreiben.
    Mir ist erst jetzt klar geworden, wie weit ich noch am Anfang stehe.
    Danke für Dein Vorbild.

    Gefällt 1 Person

    • Ich trau mich das nicht.

      Ich hatte als Kind gerne vor Omas Vitrine getanzt und wurde unaufhörlich ausgelacht, erniedrigt, beschämt oder angeschnautzt.
      Seitdem tanze ich nicht mehr.
      Mit Singen oder einem Instrument ist es übrigens das Selbe.

      Aber den Sport versuche ich mir morgen vielleicht zurück zu erobern.
      Morgen ist meine erste Stunde mit einem personal trainer.
      Vielleicht ist es der erste Schritt, mich überhaupt mal wieder „sowas“ zu trauen.
      SOWAS – was *die* mir so sehr mit Scham und Schmerz verknüpften.

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      • Jetzt hat’s mich emotional kurz umgehauen. Während ich schreibe, trocknen meine Tränen. Wenn Menschen über ihren sexuellen Missbrauch schreiben, berührt mich das auch sehr, aber nicht persönlich. Weil ich es nicht kenne. Tanzen schon. Was für eine Grenzverletzung und Zerstörung Deiner Identität!
        Beim Tanzen geht es vor allem um die Leidenschaft. Das ist das Wichtigste. Wenn Du als Kind Spaß am Tanzen hattest, dann hattest Du diese Leidenschaft. Ist die nur verkümmert oder ganz erloschen? Spontan würde ich sagen, hol Dir Deine Kindheit zurück und tanze. Aber da werden wahrscheinlich die ganzen negativen Gefühle hochkommen. Doch die wurden Dir von außen auf gezwängt. Wenn Du es schaffst, Dich im Tanzen wiederzufinden und die Außenwelt auszublenden, findest Du vielleicht einen verborgenen Teil in Dir.
        Wie Du vielleicht merkst: Ich bin leidenschaftlicher Tänzer. Tanzen ist für mich Ausdruck meiner Gefühle, eine Kraftquelle, Freude und Trost und vor allem: Kommunikation. Mit mir, dem, was Du Gott nennst und meinen Mitmenschen.

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