Es ist getan

Wie sollte ein Mensch ohne Gewalterfahrung WISSEN – oder gar FÜHLEN, wie das ist?!
Ich maße mir niemals an zu wissen, wie Unbeschadete fühlen.

Und ich versuche bereits mein Leben lang mit Worten etwas zu erklären, das keiner wirklich fühlen möchte.
Nicht hören, wissen und glauben möchte.
Weil es viel zu grauenhaft ist anzuerkennen, dass es solche Menschen gibt: Täter
Onkels, Tanten, Väter, Mütter, Omas.
Das will keiner anerkennen – die Welt ist bunt und schön…..

Und mein Kopf wird niemals in der Lage sein, das Fühlen, die Bilder, den Schrecken in meiner Seele in einer Art in Worte zu fassen, dass irgendein Mensch jemals wirklich fühlbar begreifen wird.
Und je mehr ich nach Worten suche und zu erklären suche – desto „nüchterner“, „gefaßter“, „heiler“, „analytischer“, „bewußter“ werde ich wahrgenommen.

Und mein Schmerz wird immer unsichtbarer und unglaubwürdiger – weil schließlich bin ich ja klug.
Ich kann schreiben, formulieren, analysieren und gutes Deutsch.
Und solange ich DAS kann, gibt es wohl keinen Schmerz, keine Beschädigung und nichts Dauerhaftes.

Welch eine höllische Krux ist das, wohinein man Gewaltopfer zwingt mit solchen Gesetzen und Formalitäten.
Dinge fordert, die kaum zu erbringen möglich sind.
Und deren Erbringung alleine im Tun am Ende „bestätigt“, dass überhaupt kein Problem besteht.

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Fast halb 8, wolkig und kühler

Guten Morgen, ihr Lieben 🙂

Ich bin erschöpft.
Das Arbeiten an dem Gutachten leert mich aus.

Es ist unsagbar, wie sehr es weh tut, wenn man so viele Dinge liest, in welchen man bemerkt, wie mißverstanden und fehleingeschätzt man wird.
Wie wenig von dem, das man in vielen Stunden schmerzhaft erzählt hat, tatsächlich in DEM ankommt, das man ausdrücken wollte. Weiterlesen

Es gibt im Moment keine Worte

die anderen Menschen wirklich vermitteln könnten, was ich fühle.

Und ehrlich gesagt, weiß ich auch nicht, wie ich dies dennoch versuchen könnte.

Dieses Gutachten am Dienstag hat mich derart in die Ecke geworfen, dass ich psychisch irgendwie noch immer ohnmächtig dort liege.
Ja…. Ohnmacht… das trifft es am besten, denke ich. Weiterlesen

Dunkel sehen

Ich sitze hier Samstag Früh um 6.30h.
Heute habe ich auf dem Sofa geschlafen, weil dann mein Mann ja wieder durchgehend im Bett bleiben kann, bis er endgültig aufwacht.
Ich bin unsicher, ob ich es schaffe, dieses Gefühl das mich so einnimmt, in verständliche Worte zu fassen.
Den Zusammenhang zu erklären, den ich wahrnehme und der mich so unsagbar erschüttert.
Aber ich bin im Moment ja nicht mal sicher, ob ich mir das Gefühl selbst glauben kann; ob ich es will – ob es so sein kann oder darf.
Es ist viel zu groß und beängstigend, als dass man es sich ansehen wollte.
Lieber will man es verdrängen und so tun, als sei es nicht da.
Oder sich einreden, dass man sich täuscht und nur wieder alles zu negativ sieht.

„Think positive!!!“

Aber geht das denn noch, in unserer Welt?! Weiterlesen

Großer Sperrmüll

Irgendwie scheint es mir immer wieder – auch oft in anderen Blogs – als sei die Zeit um Weihnachten wahrhaft auch die Zeit des Sperrmülls.
Es wird gereinigt, aufgearbeitet, durcheinander geworfen und entsorgt.
Die Seelen scheinen in hellem Aufruhr zu sein und große Dinge bewegen und ändern sich.

Ich bin schon wieder wach seit 4.
Gestern Abend wollte mein Mann uns gerne romantische Stimmung machen – und es ist wie jedes Jahr. Weiterlesen

So großes Glück

Eben haben mein Mann und ich uns verabschiedet.
Er hielt mich in seinen Armen und ich sagte ihm, er sei mein großes Glück.
Er schmunzelte und meinte – in Anlehnung an seine 120kg – dass ich da bei ihm ja tatsächlich richtig viel großes Glück hätte.

Aber er mit mir auch.

Er sagte, er hätte es noch garnicht richtig realisiert…. es sei heute sein letzter Arbeitstag vor dem Urlaub.
Weihnachten naht.
Und als er ging, sah ich ihm im Treppenhaus wieder nach und wir gaben uns noch Luft-Knutschis. Weiterlesen

Wieder völlig übersäuert

Vorhin war ich einkaufen – das war ok.
Als ich Heim kam, war ein Amtsbrief im Briefkasten, der auf dem Tisch lag, während ich den Einkauf verräumte.
Mein Mann stand mir im Weg herum, weil er wieder mal nicht wußte, wo was hin gehört.
Irgendwie kommt es mir immer wieder so vor, als würde er zwar immer gucken – aber nicht sehen.
Als würde er zwar irgendwie auch in der Küche hantieren – aber nicht leben.
Nach 7 Jahren weiß er noch immer nicht, wie ich „Ordnung“ verstehe und wie ich was wo stehen haben will.
Ich war genervt; mein Kreislauf war völlig down; mir war schwindelig, zitterig und ich wollte fertig werden – da hab ich ihn weg gerempelt. Weiterlesen

Es ist geschafft

Was schreib ich nun bloß?

Vorhin, als ich mit der S-Bahn zu meinem Mann ins Büro fuhr, ging es mir grauenhaft.
Von jedem Menschen, der an mir vorbei lief, fühlte ich mich bedroht.
Ich hatte das Bedürfnis, mich zu schützen; zu verstecken; unsichtbar zu sein.
Den Weg vom Bahnhof zum Büro ging ich wie eine uralte Frau.
Krumm, immer an der Hauswand lang; extrem schreckhaft und langsam.

Wir waren zu früh; das Parkhaus eine Baustelle; alles irgendwie im Chaos.
Mein Mann fuhr und sagte, es sei das erste Mal, dass er nah dran sei, mich gerne raus zu setzen.
Ich würde derart beben, zittern und Energie im Auto verteilen, dass er selbst jetzt schon fast zu unkonzentriert zum Fahren sei.
Ich würde ihn derart in mein Fühlen einhüllen; ihn damit durchdringen, dass es ihm unsagbar mieß geht.

Fast hätten wir angefangen zu streiten – einfach, weil die Anspannung so groß war. Weiterlesen

In 20min. geht es los

Da werde ich zum Bus gehen.
Ich werde zu meinem Mann ins Büro fahren und dann fahren wir gemeinsam zum Gutachter der Rentenkasse.

Heute könnte der Tag sein, an dem sich mein Leben ändert.
Heute könnte der Tag sein, an dem eine öffentliche Stelle anerkennt, dass ich Opfer war.
Dass ich unschuldig daran bin, dass ich kein wertvolles Mitglied dieses Landes bin.
Dass ich die Schule nicht beendet habe; keine Ausbildung habe und auch nicht fähig bin, zu arbeiten.
Dass nicht ich daran Schuld bin, sondern dass ein ANDERER hierfür die Verantwortung trägt.
Anerkennung – nach 42 Jahren.

Und es könnte auch dafür gesorgt werden, dass nicht mehr mein Mann die Folgen dieser Verantwortung alleine zu tragen hat, sondern dass wir endlich Hilfe bekommen.

Dass wir Unterstützung bekommen darin, dass ich mindestens versorgt bin; bestenfalls irgendwann auf die Füße komme.
Ich habe Angst.
Und einerseits bete ich, dass Gott mich vor diesem Mann kotzen läßt.
Alles kotzen, das in meiner Seele vergraben und verwachsen ist.

Andererseits hoffe ich, dass ich unbeschadet; nicht erneut traumatisiert und anerkannt dort wieder heraus komme.
Drückt mir bitte die Daumen.
Danke.

Was ist da bloß wieder in der Luft?!

Irgendwie ist das für uns fast ein Synonym geworden….
Eine hypothetische Frage zwischen meinem Mann und mir, wenn wieder irgendwie der Wurm drin ist.

Da gibt es solche Tage… – man könnte meinen, wir sind wie Hund und Katz.
Alle „Fehler“ sind plötzlich riesengroß; überwältigend; unerträglich und den Atem nehmend…..
Es herrscht eine Art von unerträglicher Traurigkeit in unserer Wohnung.
Man kann sie hier herum wabbern spüren, wie feuchten Nebel auf Bergspitzen – nur leider nicht so frisch, gut riechend und belebend, sondern vielmehr das Gegenteil. Weiterlesen