Wir sind verschieden

und doch alle Gewaltopfer.

Guten Morgen, Ihrs 🙂

Eben hatte ich bei den Lunis den neuen Beitrag gelesen.

Er tut mir weh.
Er triggert mich auch an.
Er macht mich wütend, traurig und fassungslos.
Ich bin erschüttert.

Ich sehe darin fast eine Kriegserklärung.
Ein Aufbäumen und Aufbegehren gegen alle anderen Meinungen, als ihrer.
Ein unbändiges Wehren und Verleugnen der Möglichkeit,
dass man Opfer und trotzdem stark sein kann.

Opfer sind SCHWACH.
Opfer müssen leiden.
Punkt.
Das ist die Ansage.

Corona macht, dass Opfer, die schon vorher litten, nun nur noch mehr leiden.
Fertig.

Alles andere kann, darf und soll nicht sein.

Und es erwächst hieraus fast ein Krieg.
Ein Streit.
Ein ICH HAB ABER MEHR RECHT ALS DU!!!!

Brauchen wir das WIRKLICH?
Ausgerechnet JETZT?
Ausgerechnet HIERÜBER?
Ausgerechnet UNTEREINANDER?

Ist ein Opfer wirklich nur dann ein Opfer, wenn es sich Scheiße fühlt?
Auch richtig leidet?
Heute noch?
Unter allem von früher?
UND unter dem von heute?
Und überhaupt?
Vollumfänglich und im Gesamten?
Immer und ständig?
Und jetzt erst Recht?

Leidet, siecht, wimmert, heult, jammert, klagt und ANKLAGT?

Verdammt nochmal!!!!
Wir sind zwar alle OPFER
aber wir sind dennoch Individuen.
Wir sind dennoch unterschiedlich.
Und dennoch jeder sein Eigenes.

Das Unterschiedliche trennt uns nicht in
mehr oder weniger Opfer
und auch nicht in mehr oder weniger Wert.
Mehr oder weniger Wichtig.
Mehr oder weniger Ehrlich.
Mehr oder weniger Sehenswert; Beachtenswert; Helfenswert.

Und wenn ich hier in den Blogs herum lese, dann fühlt fast jeder die Corona-Krise unterschiedlich.
Fühlt sich mehr oder weniger bedroht, eingeschränkt, getriggert.
Von verschiedenen Umständen.

Aber es fühlen sich Menschen auch unterschiedlich stark oder schwach
in verschiedenen Situationen.

DAS TUN SIE ABER AUCH SONST SO.
Auch ohne Corona.

Wieso muß nun deshalb ein Kampf ausbrechen darüber, dass man gefälligst NICHT SAGEN SOLL
dass man sich STARK fühlt?

Wie kommen Menschen drauf, anderen Menschen sagen zu wollen, was sie sagen oder fühlen dürfen?
Sollen?
Oder schreiben?

Hier schreiben viele verschiedene Menschen ganz Unterschiedliches.
Und ich finde das wundervoll.
Bereichernd.
Gedankenbefruchtend – und auch Gefühlsanregend.
Es erweitert meinen Horizont.
Es schenkt mit die Möglich- und Fähigkeit MITZUFÜHLEN; mich EINzufühlen oder NACHzufühlen.
Auch schlicht, darüber nachzudenken.

Ich bin sehr froh und dankbar, hier völlig verschiedene Welten miterleben zu dürfen.

Hier ein paar Blogbeiträge zu Corona:

Geteilte Ansichten

Carax & vanNuys

LaLuna

Die Scherben

Bunteschmetterlinge

mein Eigener

Ich bin mir ziemlich sicher, dass – hätte man es sich aussuchen können – NIEMAND Corona gewollt hätte.

Aber nun ist es hier.
Existent.
Auf der gesamten Erde.

Und jeder muß einen Weg finden, so gut wie möglich damit umzugehen.
Für und in sich selbst – aber auch für das große Ganze.

Wenn die Lunis also im Beitrag toben und wettern, dass es nicht in Ordnung sei, über STÄRKE zu schreiben

dann möchte ich sagen, dass es für mich nicht in Ordnung ist, mich derart beschränken, kritisieren und maßregeln zu lassen.
Ich schreibe, was ICH fühle und tue und was für MICH in Ordnung ist.

So, wie auch IHR in EUREM Blog schreiben könnt, was für EUCH in EUREM Leben gut und wichtig ist.
Aber eben NICHT für MICH und in MEINEM Blog und Leben.

Es tut mir weh und ich habe Mitgefühl.
Ich bin erschüttert darüber, wie sehr eure – womöglich täterinfizierten – Innens los toben und verkünden, dass OPFER ZU LEIDEN HABEN!!!

Stärke verleugnen wollen und verbieten.

Weil es euren EIGENEN die Möglichkeit abspricht, stark zu SEIN.
Eure EIGENE Stärke zu finden und zu leben.

Opfer müssen nicht schwach sein und bleiben.
Um Opfer zu sein.

Auch Opfer DÜRFEN STARK SEIN!!!!

Ob das nun euren Tobenden paßt und gefällt, oder nicht.
ICH bin stark.
Und viele andere hier in den Blogs genauso.

Nicht immer
Nicht in jedem Bereich
Nicht ununterbrochen und auch nicht ausschließlich.

Aber jenes Starke in mir, das ich bereits gefunden habe
Das ich fühle
Das ich leben kann
Das ich sein kann
Das ich ausdrücken kann
DAS LASSE ICH MIR NICHT VERLEUGNEN UND VERBIETEN.

Und JA.
Mein Opfersein hilft mir und stärkt mich jetzt und heute in der Corona-Krise cool zu bleiben.
Ich fühle mich NICHT beschränkt und eingesperrt
– sondern tatsächlich vielmehr geschützt und gesehen.

Ich fühle mich Wert – auch vielen anderen Menschen dort draußen – weil sie in ihren Wohnungen bleiben und die Verbreitung von Corona – auch für MICH – einzudämmen versuchen.

Ich fühle Freude.
An der schönen Ruhe da draußen.
Der Entschleunigung.
Der Chance auf Besinnung und Veränderung; auf Erkenntnis (zumindest einer kleinen).

Ich liebe es, die Menschen zu analysieren.
Sie zu beobachten; zu verstehen; zu erkennen.
In der Krise legt die Wahrheit über den Charakter der Menschen.

Ich bin dankbar, geübt zu sein.
Im Suchen von Lösungen, Alternativen, Entspannung und dem Guten ansich.

Es geht mir gut.
Und dennoch war und bin ich Opfer; Opfer von Gewalt anderer.
Und das lasse ich mir nicht verbieten und auch von niemandem absprechen.

Salve


16 Kommentare zu “Wir sind verschieden

  1. Ich habe nicht mal zu ende gelesen und ich frage mich, wie ihr darauf kommt, dass wir über euch oder über überhaupt nur irgendjemand anderen geschrieben hätten, außer über uns.
    Ja, ich wehre mich dagegen ein Superheld zu sein, nur weil wir Gewalt bereits erlebt und überlebt haben, mach UNS uns persönlich das nicht zum Superhelden mit Cape, der alles, was da noch kommt nur umso besser überleben kann.

    Liken

      • Wogenen ich mich ganz exakt auflehne habe ich nochmal in einem eigenen Beitrrag geschrieben. Und dabei geht es ganz und gar nicht explizit um eine Corona Krise. Sondern ganz allgemein um das Thema “Gewalt macht stark” und ich glaube, dass wir in diesem Punkt aneinander vorbei reden. Ich glaube, ihr versteht gerade etwas vollkommen anders, als wir es meinen. Ich denke auch, dass Corona nun ein Augenöffner sein kann. Auch Klimamäßig. Zu merken, wie wenige Dienstreisen eigentlich sein müssen.
        Aber darum geht es mir nicht, das ist nicht das, wogegen ich mich auflehne. Ich wehre mich auch nicht explizit dagegen, dass wir auch Stärken haben. Wir alle. Und ich habe nie nie niemals irgendjemanden mit einbezogen in UNSEREN Beitrag. Ich vermute fast, dass ihr euch getriggert fühlt, weil wir niemals etwas anderes behauptet haben, ihr legt Dinge da hinein, die ich weder gesagt, geschrieben oder gedacht habe.

        Liken

    • DAS ist der Punkt.
      Nicht jenes, das ihr da noch nach-reicht.

      Ich lese bei sehr vielen Gewaltopfern viel über gute Wege, die Krise zu überstehen.
      Über ihre Resourcen, Stärken, Wege und Mittel.
      Ihre Gedanken, Gefühle, ihre Reflektiertheit und ihr Merken, was in ihnen abläuft.
      Ich lese von ihrem Wachsen, Heilen und ihren Freuden.

      Und Ihr wehrt euch gegen SUPERHELDENTUM.

      Ich hab noch bei keinem einzigen gelesen, dass er sich für Superman hält. Oder „Corona-Woman“.
      Nirgendwo.
      Nur ihr anscheinend.

      Und ich, für meinen Teil, habe hierzu nun alles gesagt.

      Gefällt 1 Person

      • Ach ihr Lieben. Ich habe das auch nicht gelesen. Aber das ist, was ich daraus höre, wenn man mir sagt “ dass wir die Stärkeren sind, weil wir diese Entbehrungen ja schon kennen”.
        Da ist der einige Bezug überhaupt.
        Und ja, wir sind davon getriggert.
        Liebe Grüße und jetzt lassen wir die getriggerten Gefühle sich wohl besser erstmal setzen. ❤

        Gefällt 1 Person

  2. Kann es sein, dass ihr beiden aneinander vorbeikommuniziert? 😉 Eigentlich habe ich beim lesen euer beider Beiträge zunächst gar keine konkurrierenden Ansichten empfunden. Ich verstehe die Lunis mit ihrer Betrachtung zur Ressourcenentwicklung durch Traumatisierungen und sehe mich selbst darin. Gleichzeitig hätte ich es nicht als einen Angriff auf dich verstanden oder den Umgang mit Corona allgemein, sondern eher als einen ganz anderen Blick auf das Thema Stärke im Traumakontext. Mir hat der Beitrag der Lunis zumindest ganz unabhängig von der Corona-Krise und dem Umgang damit zugesagt. Mir liegt es völlig fern andere Betroffene und dich für ihre Sichtweise anzugreifen. Das man in Situationen auch immer wieder den Blick auf positive Aspekte richtet widerspricht dem für mich nicht. Das machen wir ebenso. Anders ließe es sich oft gar nicht aushalten. Mir kommt in manchen Formulierungen wie eben bei Carax (nicht auf dich bezogen) aber auch immer wieder zu kurz, dass Traumatisierungen an sich nichts gutes erschaffen. Ressourcen und Stärken sind super, aber die habe ich, weil ich ich bin und nicht wegen der Traumata. Und ich bin der Meinung, dass man Gesellschaftskritisch durchaus mal hinterfragen sollte, ob etwas völlig falsch läuft, wenn Opfer ihre Krankheitsmechanismen (Dissoziation, Funktionalität, etc.) oft genug als stärke sehen (müssen), weil man Ihnen sonst vorwirft zu negativ zu denken oder es sich in der Opferrolle bequem zu machen.

    Gefällt 3 Personen

    • Das will ich garnicht ausschließen, dass wir vorbeireden, aneinander.
      Das kann bei Gefühlen und ohne Gesichtsausdruck; Körpersprache o.ä. ja durchaus passieren.

      Ich hatte eben auch bei Euch gelesen, was ihr als Einleitung zum reblogg geschrieben hattet.
      Es macht mich dachdenklich – oder vielmehr nachFÜHLEND – ob in mir wohl unbewußt Verdrängung, Abspaltung o.ä. abläuft.
      Die Frage nach diesem „WER oder WIE bin ich (tatsächlich? Auch untendrunter?“ steht im Raum.
      – wobei es dies ansich fast immer tut.

      Ich glaube, es traf mich etwas, weil die Lunis sich auf vanNuys berufen/beziehen (und diese auch hin und wieder auf mich) und bei mir irgendwo eine ganz pauschale Aussage ankommt, dass Gewaltopfer keine Superhelden seien (eben in Bezug auf dieses „Ich schöpfe meine Ruhe und Kraft aus all meinen bisherigen Lebenserfahrungen (AUCH dem Trauma; der Gewalt)“).
      Und ergo fühle ich mich kritisiert, beraubt und irgendwie verboten, dass ich so fühlen darf.

      Gerade so, als sei es schlecht und womöglich fast diskriminierend, wenn ich TROTZDEM stark bin.
      Und doch, in mir ist sicher, dass ich erst DURCH all meine Erfahrungen das Werkzeug, die Kreativität; die Hilfsmittel ERARBEITET habe, die ich nun in Krisen auch anwenden kann.
      Wobei „Erfahrungen“ nicht ausschließlich und nur „Gewalt“ ist, aber AUCH.

      Wenn ich nun aufgrund eurer Gedanken in mir nach Dissos suche; Gefühlsabspaltungen o.ä.

      *Fuck – der Mann hat den TV angemacht; jetzt bin ich völlig raus.
      Tut mir Leid, ich hab den Faden verloren.
      DAS ist Disso, würd ich sagen. Irgendwie sowas. Ich ärger mich.

      Sollte ich irgendwann wieder dran kommen, setz ich mich gern weiter mit dem Thema und meinem Fühlen auseinander.
      Ich wünsche Euch einen schönen Abend und dass wir alle Mittel und Wege kennen, gesund zu bleiben.
      Alles Liebe.

      Gefällt 2 Personen

      • Also von mir aus dürft ihr gerne so fühlen wie ihr eben fühlt. 😊 Ich will auch nicht pauschal unterstellen, dass dissos am Werk sein müssen, wenn man noch relativ entspannt durch die Zeit kommt. Wir sind hier auch nicht panisch, aber eben durchaus wachsam und besorgt über so manche Entscheidung. Wenn ich etwas positives aus der Situation ziehen muss, ist sie grundsätzlich zunächst mal negativ. Sonst müsste man sich ja nicht um eine andere Sicht bemühen. Mir tut die Ruhe an mancher Stelle gut. Trotzdem ist die Ursache scheiße.

        Ich merke grade, das das Thema extrem komplex ist… Es gibt so viele Sichtweisen dazu. Egal wie, es liegt mir fern euch anzugreifen oder zu verletzen!

        Gefällt 2 Personen

      • Ich fühle mich auch keinesfalls verletzt von euch. ❤
        Aber ja, es ist sehr komplex. Nicht nur im Außenbereich, sondern auch innen.
        Das ist es ja auch, was ich daran sehr spannend, interessant, wertvoll und stärkend finde. Man kann sehr viel daraus lernen und schöpfen, wenn man sich dafür öffnet und all dem Fühlen und Denken nachgeht.

        Gefällt 2 Personen

      • Ich mag gerne nochmal sagen, dass wir uns nie auf euch bezogen haben. Es gibt eine kommentierende Quervernetzung, na und? Ich teile euch nichts durch die Blume mir, wenn ich auf einen Kommentar von jemanden beantworte, wie ich etwas sehe nur weil der oder diejenige such hier kommentiert und dummerweise euch dort ins Spiel gebracht hat.
        Das hat nichts mit euch zu tun sondern nur mit meiner Reaktion auf Carax persönlich. Wie käme ich dazu euch irgendetwas vorzuschreiben oder zu verbieten? Aufgrund der Heftigkeit eurer Reaktion würde ich hier vermuten, dass ihr ziemlich getriggert seid oder wart. Aber auch das kann ich natürlich nicht wissen. Ich steck nicht in euch drin.
        Aber ähnlich fallen eure Beiträge aus, wenn ihr Konflikte und triggernde Situationen mit eurem Mann beschreibt.
        Nochmals liebe Grüße

        Liken

  3. Pingback: Ich danke nicht den Tätern! – Carax&VanNuys

Magst Du gerne etwas dazu sagen? You´re welcome

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.