NEIN ist ein End-Gegner

Guten Morgen, ihr Lieben 🙂

Eben ist der Mann weg. Wieder zum Arzt.

Die Tage sind sehr anstrengend.
Unsagbar viel Fühlen, Erinnern und Arbeiten.

Gestern war Osteopathie.
Meist reden wir nicht allzuviel.
Aber gestern…. gestern war irgendwie anders.

Vorgestern kam in der ARD ein Film über Gewalt.
Ich zumindest habe es so empfunden.
Keine Ahnung, ob andere Menschen überhaupt kapieren, wie GROSS diese Gewalt war.
Schon alleine der Titel des Filmes:

Weil Du mir gehörst (klick)

Ich denke, dass sehr viele Menschen den Film aus der Vater- oder Mutterperspektive betrachten.
Es gibt auch eine Diskussion darüber als Kommentar – und auch als weitere Sendung.

Ich selbst habe es aus der Perspektive des Kindes wahr genommen.
Wenngleich es bei mir anders herum gewesen war und meine Oma diejenige gewesen war, die versucht hatte, mich gegen meine Mutter aufzubringen.
Allerdings begann sie damit bereits, als meine Eltern noch verheiratet waren.
Da war ich keine 2 Jahre alt.
Das Mädchen im Film war bereits älter.
Und dennoch war sie weich, vertrauensvoll und sensibel und dadurch manipulierbar.

Oder auch:

Mein Exmann „spielte dieses Spiel“ während meine Tochter bereits bei mir lebte.
Während JEDES Besuchswochenendes brachte er sie auf diese Weise gegen mich auf.
Sie durfte alle 4 Wochen zu ihm (NUR alle 4 Wochen, weil bereits das Gericht gegen ihn entschieden hatte)
Und ich konnte danach 3 Wochen lang versuchen, seinen Schaden wieder zu reparieren und ein liebevolles Miteinander aufzubauen.
Nur, damit er danach wieder alles einriß und ihr erzählte, wie dumm, blöd, ekelhaft, bescheuert ich sei und ihr tausend neue Schimpfworte beibrachte, mit welchen sie mich abschoß.

Das ging über JAHRE.
Und natürlich war unser Verhältnis grauenhaft.
Auch, weil ich damals noch keine Ahnung hatte vom Viele-sein, Triggern und Trauma.
Ich war dem Schmerz hilflos ausgeliefert und im Trigger selbstverständlich weder „bedacht“ noch „kontrolliert“ oder reflektiert.
Logisch fühlte ich mich ohnmächtig ausgeliefert und im Schmerz und Not untergetunkt.
Todesangst.

Vermutlich würde heute vieles ganz anders laufen.
Aber nun bleibt es nur, zu reparieren, was möglich ist.

Jedenfalls hatte der Film mich beschäftigt.
Und es war mir in den Kopf gekommen, wie unsagbar ALLTÄGLICH Gewalt ist.
Wie selbstverständlich, normal und unsichtbar.

Dass in Wahrheit so viele Menschen Gewalt überhaupt nicht als Gewalt wahrnehmen.
Als solche begreifen.

Und die Frage kam auf, wo Gewalt denn BEGINNT?

Mir wurde klar, dass in Wahrheit das NEIN der absolute Endgegner ist.
Es gibt keine Steigerung von NEIN.
Es gibt nichts, das mehr NEIN sagt, als das NEIN ansich.

Und dennoch scheint es rein garnichts Wert zu sein.

Was passiert denn so oft, wenn ein Mensch NEIN sagt?

Warum?
Weshalb?
Kannst Du nicht vielleicht DOCH?
Willst Du WIRKLICH nicht?
Ach komm… wenigstens heute / ein bißchen / mir zuliebe?
Ich helf dir dafür morgen.
Ach… Du weißt doch… ich mag das so gern.
Wenn Sie nicht… dann…..



Es ist völlig normal.
Vollkommen selbstverständlich.
Das NEIN wird grundsätzlich überhört, übergangen, ver-diskutiert, verhandelt, verniedlicht, …

Ein NEIN wird immer irgendwie als Gumminudel wahrgenommen.
Dehnbar, biegbar, knautschbar.
Man kann damit tun, was man will.
DUMM ist, wer es nicht wenigstens VERSUCHT.

Es ist so ekelhaft!!!!!

Das macht diese absolute, allerschlimmste und furchtbarste OHNMACHT.
Diese allerschlimmste END-Ohnmacht.

Wenn ein NEIN keinen interessiert
was DANN?!?!?!

Was soll man denn SONST NOCH tun können????
Wenn ein NEIN nicht zählt?

Und genau hierüber hatte ich es gestern mit dem Osteopathen.
Dass sich kaum ein Mensch darüber bewußt ist, dass er GEWALT ausübt.
Und wie schwer es vor allem für Kinder ist.
Weil das Nein eines Kindes ist noch viel weniger Wert, als das einer Frau.

Kinder werden einfach unter den Arm geklemmt.
Man TUT einfach – scheiß egal, was das Kind sagt.

Wenn ein kleines Kind NEIN sagt und es unaufhörlich, ständig und dauernd erlebt, dass Erwachsene TROTZDEM machen

züchtet man in ihnen eine derartige Ohnmacht
ein Gefühl von absoluter Wirkungslosigkeit
„Ich bin ausgeliefert, fremdbestimmt und machtlos“.

Wie soll aus einem Kind, das sicher ist, NICHTS bewirken zu können, jemals ein selbstbewußter und selbstwirksamer Mensch werden?

Auch so im Alltag.
Der Mann sagt, man müßte noch einkaufen, weil er Lust auf Braten hat.
Die Frau sagt, sie hat keine Lust, einkaufen zu fahren – es ist noch anderes da.
Sie sagt „NEIN, ich fahre nicht“.

Statt dass dann der MANN fährt
diekutiert er lieber über ihr Nein und am Ende fährt sie DOCH.

Auch DAS ist Gewalt.

Das NEIN zählt nichts.

Mein Osteopath hat ein bißchen nach gefühlt.
Ist in sich gegangen.
Er hat eben sein 2. Kind bekommen.
Ich glaube, er fand es wichtig und gut, einmal darüber nach zu sinnen.

Jedenfalls sagte er, dass er das so nie gesehen hätte.
Aber ja… ich hätte Recht.

Nach dem NEIN gibt es nichts mehr.
Und ein NEIN sollte ernst genommen werden.
Ohne Diskussion.

Auch bei Kindern.
Vor allem bei ihnen.

Ich glaube, man kann DOCH was bewegen, wenn man offen und ehrlich ist.
Wenn man sichtbar ist und sich zeigt.
Anderen Menschen.

Ich hatte ein gutes Gefühl gestern.
Ich hab meinem Mann was gezeigt und dem Osteopathen.
NEIN IST EIN ENDGEGNER.

Neue Gedanken und anderes Fühlen.

Heute Früh nun wachte der Mann auf und hatte irgendwelche Gefühle.
Er wußte nicht so recht, welche.

Für mich saß er hier, wie ein Häufchen Elend.
Ich fühlte von ihm große Traurigkeit und Bedrücktheit ausgehen.
Er selbst hatte Zweifel, ob das seine wirklichen Gefühle sind.

Er fing an zu erzählen.
Dass er geträumt hätte.
Komische Träume.

Und als er aufgewacht war, hatte er wohl an meine Mu gedacht.
Daran, seinen Kopf zwischen meine Beine in die Haare zu legen und mich zu riechen.

Und irgendwas in ihm dachte dann:
„Wie bei Mama. Ganz heimatlich.“

Er erschrak.
„Heimatlich?“
„Wie bei Mama“?

Und er bekam Bilder in den Kopf, die er nicht sehen wollte.

Er glaubt sich nicht.
Kann nicht.
Will nicht.
Furchtbar.

ICH GLAUBE IHM.

Keine leichte Zeit.

Er ist jetzt beim Doc.
Vermutlich bekommt er die nächste Krankmeldung.
Vermutlich wieder 4 Wochen.

Ich muß mich jetzt auch beeilen.
Ich fahr dann zur Thera, wenn er zurück kommt.
Danach dann Friseur.
Wie jeden Freitag.
Eingekauft hatten wir allerdings schon gestern.

Morgen seh ich meine Tochter.
Ich freu mich.
Wir gehen Essen.
Und haben hoffentlich schöne, gemeinsame Stunden.
Ich merke immer mehr, wie lieb ich sie habe.

29
Verdammt, sie wird 29.
Erwachsen.
Eine Frau.

Ich bin wehmütig.
Traurig.
Und doch auch so glücklich.

Ich wünsche Euch einen guten Tag.
Viel Kraft, hilfreiche Helfer, Geduld.
Und alles Liebe ❤


Gebloggt am 12.02.2019

Moin 🙂

13.02.2019

Abgereist

Was hab ich jetzt Herzklopfen

5 Kommentare zu “NEIN ist ein End-Gegner

  1. Ja aber…. oder “Nein” aber:
    Kinder brauchen Grenzen. Aber eben vernünftige Grenzen.
    Kinder brauchen ein “Nein” und nicht immer nur “Ja”.
    Aber eben nur in vernünftigenGrenzen und achtsamen und schützenden(!) Grenzen.
    Ein Nein eines Kindes zählt natürlich da nicht, wo es auf die Hauptstraße rennt. Da muss man es an die Hand nehmen, es ziehen und heben. Wie auch immer. Weil man das Kind schützen will.
    Da muss man als Elternteil “das Nein” übergehen.

    SChwierig wird es, die Grenze dort zu suchen und zu finden, wo man die persönlichen Grenzen des Kindes nicht mehr wahrt – oder im schlimmsten Fall, dem Kind gar kein “NEIN” beibringt, weil es kein Recht auf dieses Wort hat.
    Da stimme ich direuch absolut zu. Und ich denke auch, dass dieser Beitrag natürlich so gemeint war.
    Aber es braucht Menschlichkeit und Liebe um den Unterschied von dem einen zum Anderen zu erkennen und das auch als Elternteil anzuwenden. Und viele von denen, die wir kennen, unsere Erziehungsberechtigten, haben das ja wohlweislich übergangen. Das ist kein “Fehler” den man unwissentlich im besten WissenundGewissen macht sondern einer, den man macht um das zu bekommen, was Man(n) will. Manchmal auch Frau will.

    Und dann gibt es wohl noch das “nein” das sich verändern kann. Nimmt man es als Gewalt wahr wenn man sich abspricht? Was ist, wenn zB beide Partner auf der Couch liegen mit Fieber. Keiner kann, keiner will. Aber einer muss…einer möchte Tee, der andere auch. Weg geht zuerst? Beide sagen nein (ich bin zu krank) aber einer muss. Da muss ein Kompromiss gefunden werden oder beide müssen hungern und dursten. Es ist am Ende doch eine Entscheidung nach Abwägung.
    Ist das dann Gewalt?
    Jein. Es ist ein Muster. Wenn einer nachgibt, weil ersie das Gefühl hat, es ist ja sowieso egal. Ja gut ich machs aber unter dem gefühltenZwang und nicht weil….es wirklich und ehrlich okay ist. Man biegt und bricht sich am Ende SELSBT und tut sich SELBST Gewalt an, weil man es nicht besser kennt oder es sich selbst nicht wert ist oder weil man es so gewohnt ist.
    Ein Nein ist ein Nein. Ja da stimme ich zu. Man muss aber AUCH selbst dazu stehen könne. Und…..haben wir das gelernt? DAs es etwas nutzt Nein zu sagen? Also geben wir auf und machen es….trotzdem…. Gewalt gegen sich selbst.

    Sorry für den Roman
    Das fand ich im Kopf vor.

    Gefällt 3 Personen

  2. Pingback: Die Sonne scheint – Neues für Altes

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