Diese inneren Zweifler

sind schon irgendwie faszinierend.
Zum Kotzen, auch.
Aber auch so tricky; so hinterlistig; so … ach….

Guten Morgen, ihr Lieben 🙂

Wie oft lese ich bei anderen und denke dann erst, dass ich das von mir nicht kenne.
*Das* – mit dem sich andere da so schlimm, schmerzhaft und schwer herum schlagen müssen.

Oft tut es mir selbst so weh.
Es ist oft so grauenhaft, so schmerzhaft, so unfassbar und kaum zu glauben.
Welche Grausamkeiten sich Täter ausdenken können…
Menschen.

Wie kann man so bloß sein?!
Was muß in denen alles völlig durchgeknallt sein?
Wozu das alles?
– und wie oft geht es am Ende einfach „nur“ um Geld?!

Dann kommen innendrin plötzlich so Gedanken und Überlegungen.
Diese Frage, weshalb denn *ich* eigentlich seit ich 14 bin, diese merkwürdigen Kack-Krämpfe hab?
Seit *ich* Mens hab?

Und wie ich denn damals drauf kam, dass sich das anfühlt, wie Geburtswehen?

Und nach der Geburt meiner Tochter WUSSTE ich auch ganz sicher, dass es sich tatsächlich exakt so anfühlt.

Warum eigentlich hatte mein Onkel mich seit meinem 11. Lebensjahr unablässig gefragt, ob ich denn schon blute?

Und warum WOLLTE ich denn so unsagbar GERNE bluten, seit ich 6 oder 7 Jahre alt war?
Weshalb war mir das sooooo wichtig gewesen?

Ständig hatte ich kostenlose O.B.-Probem bestellt und mir dann eingeführt.
Mit 6!!!!
Wer tut sowas sonst?!

Oder dieser Tick mit dem Schnüffeln an Damenbinden in öffentlichen Toiletten?
WARUM??????

IRGENDWAS ist doch da.
IRGENDWAS muß doch passiert sein, dass ich so einen irrsinns Hirnfuck hatte, mit Mens.

Es ist doch schon fast wieder total ekelig.
Sowas tut doch keiner.

Und dann ham die *mich* ständig ausgelacht, gedemütigt und bloß gestellt, als *die* das mal mitgekriegt hatten.
Was bin ich nur für ein Ferkel.

Aber nein, es ist alles Quatsch.
Bei mir kann jedenfalls nichts gewesen sein mit Baby.
Ich blute ja erst, seit ich 14 bin.
Und mit 16 war ich im Heim.
Und dazwischen war ich jeden Tag auf nem Gymnasium.
Da KANN garnichts gewesen sein.
In der Zeit hab ich mit Flachmann in der Schule gehockt und ewig nur geheult.
Die hatten mich eh auf dem Schirm; ich war auffällig.
Sowas hätten die in jedem Fall gemerkt.

Die Thera sagte mal, dass ich mich vielleicht irre.
Dass das vielleicht auch alles nur total und absolut weg-dissoziiert ist.
Dass ich einfach rein garnichts mehr WEISS.
Und trotzdem was war.

Weil ich sagte, dass ich glaube, dass der Onkel aufgehört hätte, so mit 11 oder 12.

Da war er mit mir dann nur noch Rad fahren.
Manchmal Touren bis 120km an einem Tag.
Und ewig hat er mich ausgefragt, ob da schon Haare wachsen.
Ob ich mich selbst anfasse und wie.
Ob ich einen Jungen knutsche – oder mehr.
Was ich so phantasiere, träume und vorstelle.

Es war schlimm.

Und eben auch, ob ich schon blute.

Ich denke immer, der hatte Angst, dass ich schwanger werden KÖNNTE.
Und hat sich deswegen auf´s bloße Hirnficken verlegt.

Aber die Thera sagt, dass Täter ihre Opfer nicht so einfach aufgeben.
Schon garnicht, wenn sie seit so vielen Jahren so gut trainiert sind.
Warum auch?

Aber ich dachte, ich wurde vielleicht einfach zu alt?

Vielleicht auch zu skeptisch? Zweifelnd? Aufmüpfig? Widersprechend? Wehrend?
Als der mich damals an den Haaren durch die ganze Wohnung gezogen hatte, hab ich mich auch gewehrt.
Aber gut – viel genutzt hatte es nicht.

Ich weiß so vieles nicht.
Da sind so riesigriesengroße, schwarze Löcher.

Was war in diesen Urlauben immer?
Beim Camping? Wo ich nicht weiß, WO überhaupt oder wie oft?
Und warum hab ich immer unten, bei *denen* im Ehebett schlafen müssen? In der Besucherritze?
Was war da? Und wie oft?
Und was war mit diesen Parties?
Im Sommer oft und Weihnachten und Silvester?

Und all seine Fotos, die er von mir gemacht hatte?
Im Sommer im Garten auf der Liege mit Paravents drum herum?
Da war ich noch soooo klein.

So viel Nichtwissen – und doch so viele Fetzen….
Unvollständiges Puzzle.

Dann immer dieses Weh-Tun.
Mal mit Worten, mal am Körper.
Oma, Vadder, Onkel und Tante.

Damals, als ich beim Gaffen nach einem pieselnden Jungen auf dem Spielplatz barfuß in einen Haufen Schnitt von Dornenbüschen gelaufen war.
Da saßen Oma und Onken zwischen meinen Beinen und stachen mit Nähnadeln in meinen Fußsohlen herum – um die Dornen raus zu pulen.
Alles voller Blut.
Niemals wären die mit mir zum Arzt gegangen.
Das konnten die alleine genauso gut.

Stundenlanges Gesteche in meine Füße.
Lautes Geschrei und Geweine durchs ganze Haus.

All die Prügel von Oma mit Rohrstock und Teppichklopfer; Händen.
Überall hin.

Vadder, der immer brüllte:“Ich prügel dich, bis Du soichsch!!!!“
Da standen die kleinen Füße längst in Urin.

Unaufhörliches Unerwünschtsein.
Nurgeduldetsein.
Gehaßtundabgelehntsein.
Niezuhausesein.

Und doch zweifelt es in mir.
Das kann alles garnicht wahr sein.
Sowas gibt es nicht.

Da war der schöne Garten und die Freunde in der Grundschule.
Da war stundenlanges Herumfahren, alleine mit dem Rad.
Da waren so viele Sorgen, die Oma sich machte, weil ich weg war, ohne Bescheid zu sagen.
Da war Weihnachten und die Puppenstube. Das Christkind-Glöckchen.

Was soll denn alles passiert sein?
Und wenn – dann war ich sicher böse gewesen und hatte es verdient.

Ich hatte schließlich eine gute Erziehung in einem ordentlichen Elternhaus.
Ich hab schließlich lesen und schreiben gelernt – und die Uhr – mit 4.
Ich war klug und sollte unserer Familie Ehre machen.

Vorzeigbar sein, ordentlich und was hermachen.

Auch mein Mann schlägt sich inzwischen herum mit Zweifeln.
Da kommen ihm Gedanken, Bilder und Träume – aber nein, das kann garnicht so gewesen sein.
Das wäre ja Folter.

Nein, Folter kennt er nicht.

Erlebnisse in Krankenhäusern.
„Tests“ und „Versuche“ die man dort mit ihm gemacht hatte.
„Behandlungen“ in aller Einsamkeit in kalten Zimmern im Klinik-Keller.

Und solche Dinge mit seiner Mutter.
Nackt im Ehebett.

Nein, das hat er sich sicher bloß bei mir abgeguckt.
Er will sich nur wichtig machen.
Er will mir nur ähnlich sein, oder gleich.
Will nicht hinten an stehen und weniger erlebt haben, als ich.
Sein Hirn erzählt ihm Märchen – weil es inspiriert ist, durch mich.

DENKT er.
Denkt ER.

Nein, ich habe keinerlei Zweifel an seinen Erinnerungen oder Träumen.
Nur an meinen eigenen.

Wie können Menschen nur so sein?
Und warum tut keiner was, damit das endlich aufhört?
Weshalb können Therapeuten GLAUBEN?
Aber nicht die Politik; die Polizei und die Behörden?
Warum kann nicht endlich was getan werden, das hilft?

Hilft, dass das aufhört?

So viele tote Menschen dort draußen.
Abgeschnitten von sich selbst.
Getrennt von Herz und Fühlen.

Oft sogar von ihrem Hirn.

Zombie-Deutschland.

Aber klar – wer will das alles schon fühlen?
So gräßliche Nachbarn, Brüder, Freunde?
Solche Verbrecher will man nicht um sich haben.
Garnicht dran denken.
Das kann ja alles garnicht wahr sein.
Darf nicht.


Komisch… der Mann und ich haben uns aber wieder gut gefangen.
Unsere Ehe ist eben wieder sehr harmonisch.

Harmonisch.
– nicht leicht, unbeschwert oder lustig.

Wir leiden gemeinsam.
Und jeder für sich.

So viel Erkennen, Begreifen und Anerkennen.

Heute ist Osteopathie.
Der Mann freut sich seit ewigen Tagen drauf und hofft, sein Knie tut danach nicht mehr so weh.

Ich freu mich auch.
Obwohl ich nicht sagen könnte, dass und wo es *besonders weh tut*.
Irgendwie brennt mein gesamter Körper, als sei er verbrüht.
Irgendwie ist es, als sei die Haut weg.

Ich staune, wie lange ich nun doch schon wieder am 2. Tuch häkle.
Auch, wie viele Stunden sich da tatsächlich ansammeln, wenn man es einmal ganz genau aufschreibt und so am Stück betrachten kann.

Ruckzuck ist 1 Stunde um.
Gefühlt oft keine 15min.
Ich hab jetzt wohl etwa die Hälfte vom Tuch.
Und es beginnt mir dann doch, immer besser zu gefallen.
Es ist anders.
Anders, als die Tücher zuvor.
Aber schön irgendwie, auch mal solches Anders zu häkeln.

Gestern hab ich tatsächlich meinen Spinat auf dem Herd vergessen.
Aufgesetzt auf fast 3, damit es mal kurz blubbert.
Danach wollt ich ihn auf 1 stellen, damit er durchwärmt.
Und hab ihn aber dann einfach vergessen.

Eklig, so verbrannter Spinat.
Wir haben ihn dann weg gekippt.
Und dann halt was bestellt.

Ich wünsche Euch einen guten Tag.
Viel Geduld, Kraft und Liebe. ❤


Gebloggt am 23.01.2019

Nix

4 Kommentare zu “Diese inneren Zweifler

  1. Wir haben uns sehr wiederfinden können in euren Zweifeln… Der Satz mit dem Lesen lernen mit 4 Jahren und „ich war klug und sollte der Familie Ehre machen“ traf direkt in unser Inneres. Wie bei uns.. und wie kann das sein, die schlimmen Erinnerungen und die „normalen“ Erinnerungen zusammen zu bringen.

    Gefällt 2 Personen

  2. Pingback: Schon immer eigenartig…. – Neues für Altes

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