Ich ringe mit mir

und doch will dieser Text geschrieben sein.

Es kam mir vorhin in den Sinn, weshalb und warum Opfer wie ich und vielleicht auch Natascha Kampusch und noch weitere andere – jedes wahrscheinlich auf seine ganz eigene Art und Weise – auf andere oft auch unsympathisch wirken.
Warum wir polarisieren und das Gefühl haben, vielleicht mehr alleine und mit weniger Hilfe zu sein, als andere.

Oft habe ich mich gefragt, ob es alleine an meiner Wahrnehmung liegt.
Ob ich mich vielleicht irre oder täusche.
Und wenn ich mich umsehe bei anderen Menschen mit Gewalterfahrung, dann könnte ich nun nicht wirklich sagen, dass diese mehr Unterstützung und Hilfe hätten.
Zumindest nicht deutlich mehr.

Und dennoch…. irgendwie ist ein Gefühl in mir, das versucht mich zu warnen.
„Verspiele dir nicht auch noch die letzten, wenigen Sympathien!!!“ – warnt es.

Ist es so?
Sind Menschen unsympathisch, die ehrlich sind?
Sind Menschen einsam, nur weil sie über ihre Gefühle, Ängste und Gedanken SPRECHEN?!
Wenden sich andere ab, weil man sie vielleicht zu sehr konfrontiert?
Konfrontiert mit all jenem, das vielleicht auch in ihnen tief drinnen verborgen ist?
Bleiben soll?

Ängstigt es Menschen, Zeit mit jemandem zu verbringen, der ehrlich zu sich selbst ist?
Vielleicht, weil sie es nicht sind?!

Aber warum ist das so?
Warum wollen so viele Menschen Dinge lieber unreflektiert, unbesehen, ungeheilt und auch unverändert so lassen, wie sie sind? – Wenn sie doch oft wissen, oder zumindest ahnen, dass da etwas scheiße läuft?!

Wenn man fühlt, dass etwas Unrecht ist – weshalb verändert man es dann nicht einfach?
Warum sucht man nicht nach anderen Wegen und Lösungen?
Sondern verbuddelt es in tiefster Tiefe und tut so, als sei es garnicht da?

Eben hatte ich wieder den Namen gelesen von dieser Frau vom Weißen Ring.
Eine recht kalte, harsche Frau – die, als sie mich zum Ersttermin besuchte, ein richtiggehend angewidertes Gesicht zog, als ich ihr erzählte, dass ich von meinem 1. Mann in die Prostitution gezwungen worden war.
Eine Frau, die fühlbar den Rolladen runter ließ und sich abwand – noch während sie in meiner Küche saß.
Die aufhörte zuzuhören und mit einem Ton mit mir sprach, als müsse sie sich innen wie außen in hermetisch abgeschlossene Folie packen, um sich bloß nicht mit weißderGeierwas anzustecken.
Gewalt könnte ja womöglich abfärben…..

Und danach ging sie nie wieder ans Telefon.
Mails beantwortete sie auch nicht mehr.

– Aber wenn ich dies anprangere
– Wenn ich sage, Helfer helfen zu oft nur sich SELBST
– Helfer haben nur deshalb Helferjobs, damit sie ihren Hunger nach „Vielen Dank“ und „Sie sind so wunderbar“ stillen können oder nach „Was täte ich nur ohne SIE?!“

dann bin ich undankbar.

Wenn Helfer mich laufend ausbremsen wollen
Mir den Mut rauben und die Zuversicht
Wenn sie mir meine Energie untergraben und meinen Lebenswillen
indem sie ständig Dinge sagen wie
„Das brauchen Sie garnicht erst zu versuchen“ oder
„Da haben Sie garkeine Chance“ oder
„darauf haben schon andere gehofft und verloren“
– nur, weil sie keine Lust haben, mich dabei zu unterstützen
– oder weil sie selbst zu mutlos wären und zu feige
– oder weil sie selbst keine Worte haben und keinen Kampfgeist

dann bin ich undankbar.

Und wenn ich wissen möchte, was konkret sie mir denn helfen können
Was denn ihre Aufgabe ist
Womit sie sich denn auskennen
Was ich denn von ihnen erhoffen kann oder darf

– sie dann aber wieder rumeiern
– nichts Konkretes benennen können oder wollen
– sie bei allem sagen, sie seien nicht dafür ausgebildet, hätten keine Erfahrung oder Wissen
Und ich mich dann abwende, weil solche Hilfe keine Hilfe ist

dann bin ich undankbar

Wenn sie dann anfangen, mir das Ohr abzuschwafeln
Mit ihrem geheuchelten Mitgefühl
Mit irgendwelchem Standardgejammer, das ich schon von zig anderen Helfern genau so gehört habe
Wenn ich in ihren Augen sehe, dass da keinerlei Begreifen ist
Und in ihren Seelen fühle, dass da keinerlei Wärme ist
Und nur ihre Leere fühle; ihre Bedürftigkeit
Und ihr Fordern meines Dankes
Ihr Erwarten meiner Aufmerksamkeit und Zuwendung
Und ich erkenne, dass nicht sie mir helfen, sondern sie Hilfe von MIR erwarten
Ich mich dann abwende

dann bin ich undankbar

Wenn ich deutlich sage, dass solche Hilfe mir keine Hilfe ist
Und ich sage, welche Hilfe ich mir wünsche
Und sie sich dann abwenden

dann war ich undankbar

Warum darf Hilfe nicht so sein, dass sie Opfern hilft?
Warum darf Hilfe nicht genau SO sein, wie man sie braucht?
Individuell und einzigartig?
So, wie auch jedes Opfer individuell und einzigartig ist.

Warum hören Helfer nicht richtig zu?
Warum sehen sie nicht richtig hin?
Warum sind sie mit ihren eigenen Bedürfnissen und eigenen Wunden derart beschäftigt, dass garkeine Kapazitäten frei sind für andere?
Und weshalb heilen Helfer nicht zuallererst sich selbst?
Bevor sie losgelassen werden auf Opfer, die Hilfe benötigen – und nicht in der Lage sind, den Helfern zu helfen?!

Aber es ist ja undankbar.
Wenn man nicht zufrieden ist mit dem, das man kriegt.
Und es ist unsympathisch, hinzusehen, hinzuhören und zu erkennen.
Und vor allem, deutlich auszusprechen, DASS man dies tut.

Opfer haben das Sehen und Hören – auch das Riechen und Merken – in einem Maß und einer Art gelernt, wie nicht-Opfer dies nur selten tun.
Opfer lernen dies, weil sie derart oft mit der Nase in die Scheiße getreten werden, bis sie so viel davon gefressen haben, dass es in ihnen steckt.
Überall.

Und welcher Helfer will nun also glauben, dass ein Opfer Scheiße nicht von Rosen unterscheiden könnte?!

Wahre Hilfe wäre zumindest für mich, behilflich zu sein, mich SELBST zurück zu entdecken und die eigene Individualität, Stärke und Lebendigkeit in mir finden zu können.
Auch, all jenes zu bekommen, das hilft, Heilung zu ermöglichen; Therapien, Schmerzminderung, Unterstützung, Freude.
Bestärkt zu werden und mutig sein zu dürfen.

Für andere Opfer wäre Hilfe vielleicht etwas völlig anderes.

Manchmal denke ich, all die „Hilfe“ steht nur auf dem Papier – und die Helfer sind in Wahrheit da um zu helfen, all diese „Hilfe“ zu verleugnen, zu bestreiten und Opfer davon abzubringen, irgendetwas zu beanspruchen.
Und ich wünschte, es gäbe irgendwo WIRKLICHE Helfer.

Aber ich bin doch undankbar….

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19 Kommentare zu “Ich ringe mit mir

  1. Was mir beim Lesen deiner Texte oft auffällt ist das hier:

    „Ängstigt es Menschen, Zeit mit jemandem zu verbringen, der ehrlich zu sich selbst ist?
    Vielleicht, weil sie es nicht sind?!“

    Du unterstellst schnell. Sicher, es könnte sein, dass es Menschen gibt, die mit ‚hoffnungslos/schonungslos ehrlichen‘ Menschen ein Problem haben, weil sie hier eine Verhaltensweise bei sich selbst angegriffen finden, die sie als nicht so gut an sich wahrnehmen. Unsicherheit, Neid, zu viel Stress … was auch immer das auslöst, es kann so sein. KANN – muss aber nicht.

    Dir ist viel Negatives widerfahren und du hast das Vorurteil wieder und wieder bestätigt bekommen, das ‚Helfer so sind‘. Vielleicht merkt man dir das auch seit einiger Zeit an durch deine Ausstrahlung, Wortwahl, die Art, wie du mit den Menschen umgehst. Und vielleicht fühlen sich dann einige direkt eher angegriffen (was Unterstellungen ja schnell hervorbringen) und du erfährst nur wieder eine erneute Zurückweisung und einen Menschen, der durch sein ablehnendes Verhalten deine eigenen Vorurteile dann wieder bestärkt.

    In deiner Situation dafür zu plädieren, offen zu sein, Verständnis für andere zu zeigen und dich möglichst noch auf diese einzustellen, ist viel verlangt. Ich stimme dir zu, dass die Menschen, die diesen Helfer/Unterstützer Job ausüben, im Umgang mit Menschen mit deiner Vorgeschichte geschult sein sollten. Dass sie es offensichtlich nicht sind, ist sehr traurig.

    Ich sehe hier eine mögliche negative Spirale auf beiden Seiten.

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    • Danke für deine Gedanken und dein feedback.
      Ich kann nicht leugnen, dass die Furcht vor neuen schlechten Erfahrungen mich oft begleitet.
      Aber ich setze bewußt Fragezeichen um zu zeigen, dass ich dies hinterfrage; nach Antworten lausche.
      Ich äußere Überlegungen; Möglichkeiten oder Erwägungen – aber keine Fakten.

      Und ich habe auch einst in der Schule gelernt, dass man ein Wort wie „viele“ oder „einige“ nicht zu oft benutzen solle und nicht jedes Mal wiederholen braucht.

      Das Problem habe ich oft in meinen Texten.
      Aber ebenso wenig, wie ich „viele“ oder „manche“ schreibe, schreibe ich „alle“.

      Ich spare mir nur einfach Mengenangaben und hoffe, man versteht auch so.
      Zudem es nicht um die Anzahl dieser Menschen geht, sondern vielmehr um jenes, das sie (nicht) tun, denken oder fühlen.
      Liebe Grüße, Luise

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  2. Ich glaube das Problem liegt daran, dass wir als Gesellschaft und oft auch als Einzelne/Einzelner (noch) nicht soweit sind um im Umgang miteinander ehrlich zu sein. Die Vorurteile betreffend Opfer (muss leidend auftreten), Helfer (leistet so wertvolle Arbeit) Täter (war bestimmt mal Opfer und muss geheilt werden) sind leider tief in den Köpfen der Menschen verankert. Und es wird oftmals mit Gedanken und Worten der Herde gefolgt und was da so lapidar gedacht oder dahergeredet wird, hat immense gesellschaftliche Folgen. Klar wird sich ein Opfer manchmal (voreilig oder auch nicht) bedroht, angegriffen oder ziemlich bestimmt angetriggert fühlen, aber ganz ehrlich: das ist nach dem Erlebten nicht verwunderlich. Was eine/einen natürlich nicht automatisch aus der Selbstverantwortung entlässt. Es ist schlimm wenn Menschen einen Beruf ausüben für den sie offensichtlich nicht geschaffen sind – tragisch bei einem Helferberuf oder Berufen wie Lehrer, Arzt usw. Ich wünsche dir von Herzen Helfer und Helferinnen, die ehrlich sind und dich annehmen können und dir wünsche ich weiterhin ein offenes Herz um für dich gute Helfer und Helferinnen zu erkennen. ❤️

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    • Liebe Melli,
      Du magst Recht haben, wenn Du sagst, wir sind noch nicht so weit.

      Im Prinzip müßte jeder Mensch wahrhaft begreifen und fühlen, dass er „sein Eigenes“ ist.
      Dagegen steht der Wunsch und Sehnsucht nach Gemeinschaft und Zugehörigkeit.

      Im Moment wird noch geglaubt, Gemeinschaft stellt sich durch Gleichheit her.
      Und auch viele Unternehmen fördern das Prinzip „Gleichheit“, indem sie z.Bsp. ein einziges Medikament herstellen, dass dann bei ALLEN gleich und gleich gut wirken soll.
      Ärzte verfahren meist in der Art, dass sie Dinge sagen wie:“ Was? Sie fühlen sich mit der Pille nicht gut???? Das hilft aber sonst ALLEN!!!!!“ – und dir damit sagen, Du seist „komisch; falsch oder irre“.

      Aber letztlich kann auch ein Gemeinsam entstehen, wenn jeder ANDERS ist, unterschiedlich.
      Und man kann sich gegenseitig bereichern, lehren und fördern – eben mit dieser Verschiedenheit.

      Aber oft haben Menschen Angst, anders zu sein.
      Anders als andere.
      Und versuchen zumindest so auszusehen, als seien sie gleich.

      Und dieses Versuchen bedeutet, ständig zu lügen.
      Sich selbst zu verleugnen.
      Sich zu verstecken.
      Und am Ende, sind alle psychisch krank, gefühlstot und ohne Liebe.

      Aber immerhin …. sie sehen so aus, als seien sie „gleich“.

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  3. Ps: einen für mich wichtigen Gedanken noch zu der Problematik. Wenn man/frau Hilfe sucht UND vor allem ehrlich ist, wird man meinem Gefühl nach sehr schnell gescannt, eingeordnet und abgestempelt was absolut kontraproduktiv ist und so probiert halt jede Seite den Schein (wie immer der auch aussehen mag) zu wahren. Furchtbar…

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  4. Als erkennbar Überlebender, sprich als überlebendes Opfer von Missbrauch und Misshandlung, bin ich ein Gezeichneter. In weiterem Sinne ein Kain, der von Gott misshandelt und missbraucht und dann noch gezeichnet wurde. Jedenfalls sehe ich so den Totschlag, des von Gott abgelehnten vegetarischen Opfers Kains, als eine göttliche Provokation, um die Sünde des Brudermordes in die Welt zu setzen.

    Wir sind dahingehend Gezeichnete, weil wir durch unser Leid zu Freaks geworden sind. Psychisch ramponierte Menschen mit einer Geschichte, die sprachlos macht. Damit nehmen wir Mitmenschen oft den Atem und erschrecken sie. Sie werden durch unsere Person mit einer Welt konfrontiert, die sie erschüttert und verunsichert. Und da sie nichts dazu sagen können, bleiben sie oft sprachlos. Manche versuchen zu trösten, manche nicken nur, manche weinen still. Jedenfalls ist mir jeder Recht, der mir signalisiert, dass er den Schrecken spürt, der mich begleitet.

    Ich weiß, dass meine Geschichte sprachlos macht und bin über jeden froh, der diese Sprachlosigkeit aushält und nicht versucht, sie mit Platituden zu überschwätzen. Ebenso kränkt es mich aber auch, wenn ich spüre, dass meine Geschichte nicht wahrgenommen wird und ich deshalb und ob der verursachten Beunruhigung abgewiesen werde.

    Was die Helfer angeht … Ich weiß nicht, allzuviele hatte ich mit ihnen nicht zu tun. Gut mit etlichen unfähigen Psychologen bei probatorischen Stunden, aber an alle anderen Institutionen wende ich mich nicht. Und sollte es einmal unumgänglich sein, erwarte ich nicht viel. Denn zuvorderst helfen sie sich selbst, indem sie Hilfe anbieten und so ihre Institution erhalten. Ich habe es mehr mit Selbsthilfegruppen in denen sich Menschen zusammenfinden, um sich selbst zu helfen. Hierzu besuche ich im Rahmen meiner Suchterkrankung diese Gruppe http://fährhaus.info . Und da Suchterkrankung und Missbrauch häufig Hand in Hand gehen, kann ich dort auch über meinen Missbrauch reden, ohne ins Leere zu sprechen.

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  5. Ich bin selbst in einem Helferberuf tätig, weil ich -seitdem ich Kind bin- einfach immer mithelfen wollte, die Welt ein bisschen wärmer zu machen. Und eine sinnvolle Arbeit zu machen, Menschen zu helfen, denen sonst keiner helfen mag und die sonst keine Lobby haben. Mein Job ist echt hart und mies bezahlt noch dazu, daher trifft es mich natürlich, wenn du so pauschal alle „Helfer“ verurteilst.

    Aber natürlich gibt es in diesem Job genau so auch Nieten oder unfähige Menschen!
    Die Gefahr einer „Negativspirale“ sehe ich allerdings auch, auch wenn es sehr nachvollziehbar ist.

    Grundsätzlich: ja! Viele Menschen haben ein Problem mit Direktheit! Ich versuche, Menschen schnell einzuschätzen und dementsprechend zu reagieren, aber manchmal ist mein Mund trotzdem schneller als mein Hirn.
    Zum Glück gibt es aber auch Menschen, die direktheit und Ehrlichkeit schätzen und lieben!

    Und: JA!
    Es ist so, dass es für Opfer aller Art viel viel zu wenig Hilfen gibt! Da ist es zwar traurig, aber richtig jemanden zB von einem Gerichtsverfahren abzuraten, weil man weiß, dass es aussichtslos ist und beim Opfer nochmal zu einer Traumatisierung führen kann.
    Aber es ist beschämend für unsere Gesellschaft, wie wenig Opfer unterstützt werden und wie sehr ihnen Steine in den Weg gelegt werden (z.B Traumatherapie beantragen)

    Ich will noch dazu sagen, dass ich mit Prostitution bisher keine Berührungspunkte hatte, aber ich finde, es gibt Parallelen zu anderen Gewaltopfern, deswegen habe ich jetzt hier mal meinen Senf dazu gegeben.

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    • Hallo, Isa 🙂
      Ich kann ja auch nur von jenen Helfern sprechen, die ich selbst kenne und auch von viel zu vielen, über welche ich bereits in unzähligen online-Plattformen gelesen oder von welchen ich in Gesprächen gehört habe.
      Und ja – es sind schlicht und ergreifend zu viele, die mehr Schmerz schaffen, als beseitigen.

      Von Gerichtsverfahren abzuraten ist das eine.
      Aber ich rede vom Abraten Änträge zu stellen auf OEG, Fond sexueller MB und andere Hilfen.
      Und doch – ich denke, wenn das Gewaltopfer von sich aus diesen Weg gehen will und um Hilfe hierbei bittet, dann ist das Abraten, schlecht reden und die Haare zu raufen gewiß eben KEINE Hilfe.
      Dann wünscht man sich Mut und Unterstützung – dass es hart werden wird, weiß man in der Regel schon vorher.

      „Wenn der Mund schneller ist als das Hirn“, ist nur selten Zeit zu lügen. Von daher ist mir eine ehrlich gesagte Direktheit immer lieber als einstudiertes Gesäusel.

      Bzgl. deines Schlußsatzes möchte ich anmerken, dass ich durchaus ein „anderes Gewaltopfer“ bin – und erst hieraus die Gewalt meines 1. Mannes erwuchs, die mich letzten Endes in die Prostitution brachte. Aber gerade wegen der Dauer und dem Ausmaß dieser Gewalt über mehrere Jahrzehnte und ebensolange vergebliche Suche nach einem Helfer, kann und möchte ich SO über meine Erfahrungen schreiben.

      Die Zeiten haben sich vielleicht geändert und es wäre wundervoll, wenn jüngere, nachkommende Helfer anders sind, als jene, die ich kenne.
      Aber bislang habe ich noch keinen jungen Helfer getroffen.
      Dir viel Kraft, Geduld und Herz für deinen Beruf. 🙂

      Liken

      • Ach, mit dem Alter hat das glaub ich gar nicht so viel zu tun. Zum Einen ist es Typsache: wie gesagt, es gibt einfach auch Deppen, unfähige Menschen, unempathische Menschen usw. Das ist natürlich fatal, wenn man von so einem Menschen etwas braucht! In anderen Berufen gibt es solche Leute auch, aber es fällt weniger auf.

        Das andere ist die Arbeitsbelastung: in den meisten sozialen Jobs leiden alle Mitarbeiter unter einem „Zuviel“. Es gibt immer viel zu viel Arbeit, zu viele Klienten, zu viel Bürokratie, zu viel Hürden durch Politiker usw. Damit gehen Menschen unterschiedlich um. Mit schlägt es auch eher auf den Magen, andere stumpfen innerlich ab oder lassen ihre Wut an den Klienten aus, die erst recht nichts dafür können.

        Trotzdem bin ich in erster Linie sauer auf das System, nicht auf die schlechten Helfer.

        Das mit dem OEG ist echt grässlich anstrengend, aber du hast natürlich recht: wenn eine Frau das durchziehen will, sollte man ihr dabei helfen.
        Vermutlich ist die Angst vor Armut ja ein wichtiger Grund, in der Prostitution zu bleiben, die kompletten Unterstützungsmaßnahmen müssten erweitert werden. Mal ehrlich, allein die Tatsache, dass jemand in der Prostitution gearbeitet hat, rechtfertigt meiner Meinung nach eine EU Rente.

        Der Satz mit der Direktheit und dem Lügen… naja. Es gibt einfach Menschen, die Direktheit nicht packen. Die verletzt das, weil sie selbst immer erst drei einleitende Sätze sagen um im vierten Satz eventuell anzudeuten, was sie im fünften Satz sagen könnten. Zumindest wurde mir das so zurückgemeldet und ich weiß auch, dass ich Menschen verletzt habe, weil ich manchmal zu direkt meine Meinung gesagt habe. Das waren deswegen keine Lügner. Aber eher so vom Typ „Diplomat“. Eine Fähigkeit, die mir völlig abgeht…:)

        Zuletzt möchte ich noch sagen, dass ich es so wichtig finde, was du und andere mit solchen Blogs tun! Meine Meinung zur Prostitution war schon immer genau so (es ist Gewalt!), aber als nicht Betroffene bekommt man dann oft zu hören, dass es doch gar nicht so schlimm sei, eine Dienstleistung wie jede andere blabla…
        Dadurch, dass Ihr öffentlich macht, was da für ein Scheiss passiert und wie grässlich das alles ist, helft ihr enorm weiter!
        Man darf nicht so tun, als gäbe es dieses Leid nicht!

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      • Naja…. ich war ja auch mal eine, die vom „ganz normalen Job“ erzählt hat….
        Das Fatale ist ja tatsächlich, dass dadurch, dass ich nicht fühlen konnte – dies jedoch nicht realisiert hab, weil es so normal für mich war – ich auch nicht fühlen konnte, dass um mich herum noch immer Gewalt war.

        Wenn Gewalt derart normal ist, dass sie eben genau das ist: NORMAL.

        Dann gibt es nichts zu weinen, klagen oder Hilfe suchen. Alles ist schön….
        *hust* – dabei merkt man es nur einfach nicht.

        Diplomatie geht mir auch völlig ab.
        Dafür red ich trotzdem sehr viel.
        Obwohl ich inzwischen ja auch sehr viel hier im Blog lasse.

        „Das System“ – sicher.
        Zweifellos.
        Aber sind Helfer nicht Teil des Systems?
        Die Art, wie sie ausgebildet sind?
        Was sie wissen über OEG und Co – oder auch nicht?
        Ob es genug von ihnen gibt?

        Ja – ich muß wohl einsehen, dass mir der einzelne Hintergrund der Helfer etwas verschütt geht in meiner Ohnmacht.
        Irgendwo ist da so viel Eigenes in mir das schreit, dass es schwer ist, das Schreien eines Helfers zu beachten oder gar zu akzeptieren.
        Andererseits – wäre es nicht – wieder – am System, Helfer stark zu machen, statt schwach?
        Von Opfern kann das System doch nicht allen ernstes erwarten, dass man die Helfer bestärkt?
        Ein schweres Thema mit noch großem Handlungs- und Verbesserungsbedarf.

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