Die Grünen und die Sexualbegleitung Teil 2

Dieser Text schließt sich an an an meinen vorherigen Beitrag Teil1

Vorhin hatte ich einen Zeitungsartikel auf facebook gelesen über das gaslighting.
Er erinnerte mich an meine Kindheit und all das Leben danach.

Er erinnert mich an all die vielen Dinge, die um uns herum passieren.
Dass Menschen Dinge sagen, die man hört und versteht – und hinterher behaupten diese Leute, alles sei ganz anders (gemeint) gewesen.

So etwas passiert auch mit den Menschen mit Behinderung.
In der Pflege und Lebenshilfe.
In Wohnheimen.
In der Prostitution.
Und in der sogenannten Sexualbegleitung.

Oberflächlich betrachtet wollen alle nur etwas „Gutes“.
Es wird gesagt und behauptet, dass all die Einsamkeit von alten und/oder behinderten Menschen sie krank macht.
Dass das Einsamsein und vor allem der Mangel an körperlicher Nähe schwere seelische Konsequenzen habe.
Und dass man diesen Menschen doch ganz dringend helfen müsse.

Es wird ebenfalls behauptet, Sexualbegleitung sei etwas völlig anderes als Prostitution.
Sexualbegleitung sei Nähe, Berührung, Wärme.
Sexualbegleitung sei menschlich und menschenwürdig.

Abgesehen von der Frage, für wen denn Sexualbegleitung menschenwürdig ist – für die Anbieter*innen oder für die Senioren und Behinderten – ist es doch ansich vollkommen irrelevant, worin sich Sexualbegleitung von Prostitution unterscheidet.

Im schlimmsten Fall werden trotz schöner Bezeichnungen beide mißbraucht – die Anbieter*innen und die Kunden.

Die Problematik ist doch, dass es Menschen gibt (nein, nur selten die Alten und Behinderten selbst), die behaupten, gegen all die Einsamkeit und Isolation würde eine gelebte Sexualität helfen.

Es gibt Menschen, die sich beklagen über
grapschende Bewohner
depressive Bewohner
traurige Bewohner
Bewohner, die nicht reden
Bewohner, die auffällig sind
Bewohner, die unruhig sind
Bewohner, die suicidal sind
Bewohner, die exibitionistisch sind

Oft sind diese Menschen geistig eingeschränkt – unabhängig davon, ob es ein Altersthema ist, oder eine Behinderung in jungen Jahren.
Oft können diese Menschen sich nicht klar in Worten ausdrücken.
Oft können diese Menschen Grenzen nicht klar benennen
Oft sind sie von ihrem Fühlen abgeschnitten durch traumatische Erfahrungen oder eben eine geistige Einschränkung
Oft verfügen diese Menschen über keinerlei Vor- oder Vergleichs-Erfahrung und können also überhaupt nicht beurteilen; nicht vergleichen, ob etwas gut tut oder nicht; sie können nicht mitteilen, was sie mögen und was nicht.
Sie sind komplett überfordert mit neuen, ihnen unbekannten Erfahrungen.

Und fast immer sind es andere (!!!) die behaupten, gelebte Sexualität und körperliche Nähe würde helfen, all diese „Auffälligkeiten“ zu beseitigen.


Während meiner Zeit in der Prostitution lernte ich immer wieder einmal körperlich behinderte Menschen kennen.
Und sie gaben mir nach und nach Sicherheit im Umgang mit ihnen.
Ich verlor meine Ängste davor, etwas falsch zu machen; etwas nicht zu wissen oder gar aus Ahnungslosigkeit heraus womöglich zu verletzen.

Ich lernte ganz tolle, nette, fröhliche, ungezwungene und selbstbewußte Menschen kennen, die mir die Scheu nahmen vor Behinderungen aller möglicher (körperlicher) Art.
Und so wurden sie mir lieber, als die nicht-behinderten Leute.

Hin und wieder kam es aber auch vor, dass mir behinderte Menschen begegneten, die derart schlecht mit ihrem „Schicksal“ zurecht kamen, dass sie bewußt oder unbewußt davon auszugehen schienen, dass verdammt nochmal irgendwer da draußen gefälligst dafür zu sorgen hat, dass es ihnen besser gehe!!!!!
Und dass sie ein Anrecht hätten (da ist es wieder!!!) auf einen „Ausgleich“.
Dass sie sich nehmen können, was sie zu brauchen glauben.
Und dass es ihnen zustünde!!!

Sie waren gnadenlos fordernd; fast bitter anmaßend; grenzüberschreitend und so selbstverständlich alles an sich reißend, dass es mir oft alles nahm.
Es war vollkommen egal, was zuvor abgesprochen war – solche Menschen wollen.
Wollen JETZT.
Wollen MEHR.
NOCH MEHR.
LÄNGER.
Mach dies!!, Mach das!!!, Mach nochmal!!! Ich will!!!!!, Mach anders!!!
Und ich wagte es nicht, sie einfach nackt, bewegungsunfähig und hilflos im Hotelzimmer liegen zu lassen und den Termin zu beenden zu jener Zeit, die bezahlt und abgesprochen gewesen war.
Es ist nicht erlaubt, Nein! zu sagen zu einem Menschen mit Behinderung, wenn er doch „ganz normale Dinge“ will – auch dann nicht, wenn er 5x soviel davon will, als abgesprochen war.

Das kann man doch nicht tun!!! Einfach gehen??? Weil das Geld alle ist und man ohnehin bereits das Doppelte geleistet hatte, als vereinbart war!!!
Der arme Behinderte!!!!
Es gilt als unmoralisch und nicht vertretbar, einen behinderten Menschen -trotz geforderter Gleichberechtigung!!- tatsächlich gleich zu behandeln, wie einen nicht-Behinderten.

Sie wollten meinen Preis verhandeln, weil sie ja schließlich behindert sind!!!
Da gibt es doch überall Rabatt.
Und sie können doch eigentlich garnicht richtig; garnicht so oft; garnicht so, wie andere….

Behinderte fordern Gleichberechtigung – aber bitte nicht im Bett.
Bitte nicht beim Sex.
Bitte nicht dort, wo es Geld kostet.
– und dies, obwohl viele Senioren und behinderte Menschen durchaus über einen Job verfügen oder anderweitig gleichwertiges, gutes Geld.

Und mehrfach mußte ich mir anhören, meine Homepage sei falsch.
Ich sei doch überhaupt garkein Gutmensch.
Ich solle mal nicht so tun, als hätte ich ein Herz – ich sei auch nur geldgeil.
Weil ansonsten würde ich es doch billiger machen!!!

Auch Senioren nutzen diese Argumente sehr gerne und häufig, um die Prostituierte zu manipulieren.
Man bekommt ein schlechtes Gewissen.
Man fühlt sich betroffen und schlecht.
Wie kann man nur so gierig sein.
Wie kann man nur etwas für sich selbst wollen – wo es dem anderen doch soooo schlecht geht.
Wo hat man denn nur sein Herz???
Sein Verständnis?
Seine Empathie?

– und das, wo ich so oder so bereits Sonderpreise anbot.
Oft die Fahrtkosten so niedrig hielt, dass ich drauf legte.
Die Zeit für die Anfahrt nicht berechnete – obwohl ich bis zu 400km einfach quer durch Deutschland fuhr.
Obwohl ich bereit war, mich auf sie einzustellen und anzuerkennen, dass sie doch unbedingt mich wollten, „weil es doch hier sonst nix gscheites gibt“.


Es war eine Zeit in meinem Leben, in welcher ich anfing, meine Grenzen zu fühlen.
Eine Zeit, in welcher ich derart oft mit dem Kopf in Scheiße getunkt wurde, dass selbst der gefühlstaubste Mensch nicht darum herum kam, diese Scheiße wahrzunehmen.

Ich lernte den Unterschied zu erkennen zwischen jenen, die meine Grenzen unhinterfragt akzeptierten.
Die annahmen, was ich anbot – oder es ließen – aber niemals dran rum nörgelten.
Und jenen, die mich zu ködern versuchten, um mich dann auszubluten.

Und ich lernte, mich abzugrenzen und nein zu sagen.
Zwangsläufig.

Auch lernte ich sagen zu können; mich zu trauen!!!, dass es auch behinderte Arschlöcher gibt.
Absolute Drecksäcke.
Und dass weder Behinderung, noch Alter erlauben, einen anderen Menschen derart zu manipulieren und auszunehmen.
Es darf nicht sein und ich lasse es nicht mehr zu, dass solch ein Mensch Dinge an sich reißt, die ihm eben NICHT zustehen.
Und ich habe begriffen, dass es Menschen gibt, die stets auf der Suche sind nach irgendwelchen „Idioten“, die sich als Werkzeug benutzen lassen, um möglichst kostengünstig und so wenig zeitraubend wie möglich – alleine durch Manipulation; durch angebliches Moralempfinden; durch schlechtes Gewissen; durch Gutmenschentum – deren Bedürfnisse und emotionale Defizite aufzufüllen und zu befriedigen.

Und ich lernte, hierzu Stellung zu beziehen und ein klares Nein zu äußern, wenn ich diese Mechanismen erkannte und fühlte.
Ich lernte über den harten Weg; über den Schmerz.
Und ich lernte gut.
Nein, ein Gutmensch wollte ich so oder so nicht sein.
Nie hatte ich behauptet, es „gut zu meinen“ oder irgendein falsch geleitetes „Mitleid“ zu haben.
Es ging mir nicht darum, irgendwem entgegen zu kommen
– aber ich wußte darum, wie „normale Huren“ zu behinderten oder alten Männern stehen.

Ich kannte all die Sätze, die „normale Huren“ sagen, wenn ein eingeschränkter Mann um eine Dienstleistung ersucht.
Es geht ihnen nicht schnell genug.
Nicht einfach genug.
Sie sind zu kompliziert.
Zu umständlich.
Oft auch zu eklig.
Sabbernd
Deformiert
Abscheulich
Zu stinkig
Zu runzlig
Zu häßlich
Labern zu viel
„Man kann die doch nicht schnell abficken“, sagte mal eine zu mir.
oder
„Was will der denn??? Der kann doch eh nicht!!!“

Und so wollte ich lediglich auch solchen Männern einen Rahmen bieten.
Nicht mehr und nicht weniger.
An meiner Leistung; der Qualität und der Zeit, die ich investierte, schmälerte jedoch die Art der Kunden nichts.
Weshalb hätte ich billiger/weniger Wert sein sollen, wo doch nicht ich die Behinderung hatte, sondern der Kunde???
Ich wurde doch auch nicht teurer – weil er vielleicht schwieriger war als andere…..

Da es mein Körper, meine Zeit und mein Gefühl waren, blieb es auch meine Entscheidung, ob, wem und weshalb ich jmd. entgegen kommen möchte.
Wann ich das will.
Und so entschied ich dies je nachdem, ob gefordert, überschritten und genörgelt wurde – oder nicht.

Es mag unter den Senioren und den Behinderten durchaus Menschen geben, welche gerne ein bißchen Sexualität leben wollen.
Auch gibt es darunter Menschen, welche sich unsagbar sehnen alleine nach Körperkontakt; Kuscheln, Umarmen – dem Gefühl, gehalten und angenommen zu werden.
Aber es gibt auch einige, die lediglich reden möchten.
Die in ihrem Leben oft nicht ernst genommen werden; übersehen; nicht zugehört; abgestempelt; entwertet; für überflüssig erachtet.
Und es ist für sie eine sehr wertvolle und wichtige Zeit, wenn ein anderer wahrhaft hinhört.
Wahrhaft anwesend ist und präsent.

Oft lernte ich Menschen kennen, die durch ihre Sprechhemmung die Diagnose „geistige Behinderung“ hatten – dabei hatte sich nur nie jemand die Zeit genommen und sich eingelassen, wahrhaftig zuzuhören.
Manchmal muß man sich nur richtig ein-hören; ein bißchen fast so, als müsse man die Sprache lernen; die Melodie mit summen.
Und plötzlich wird aus einem unverständlichen Gebrummel äußerst interessantes, intelligentes Sprachgut.

Sowas machte mich immer sehr wütend und fassungslos.
Es offenbart die widerwärtige Ignoranz; die Oberflächlichkeit und auch das ewige „schnell, schnell – Finanzdenken“ unserer Gesellschaft.

Ich hatte in jener Zeit auch (schriftliche) Kontakte mit behinderten Menschen, welche reflektiert schienen; sich austauschen wollten; sich erklären und begründen.
Ebenso, wie zu anderen Sexualbegleiterinnen.
Die Thematik interessierte mich sehr.

Bisher hatte ich lediglich Erfahrungen mit körperlich behinderten Menschen gemacht und Senioren. Auch mit Phobikern; seelisch Kranken und anderen Menschen, welche bei „normalen Huren“ abfuhren, bzw. beschimpft worden waren.

Da ich selbst so unsagbar verhaftet war mit Mißbrauch, Gewalt und Übergriffen, scheute ich mich davor, mich an Menschen mit geistiger Behinderung zu wagen.
Ich hatte die große Befürchtung und Angst davor, deren Grenzen nicht zu fühlen und in Ermangelung von Sprachfähigkeiten evtl. Dinge zu tun, die nicht wirklich gewollt waren.

Der Gedanke war für mich gruselig und von vorne herein übergriffig, mich einem Menschen zu nähern, der nicht deutlich und klar sagen kann, dass überhaupt – und was er sich mit mir wünscht.

Ich las von Nina de Vries, dass sie spezialisiert sei auf Sexualbegleitung bei geistig Behinderten.
Dass sie ausgebildete Pflegekraft mit unzähligen Zusatzausbildungen sei und viele Jahre „solide“ mit geistig behinderten Menschen gearbeitet hätte.
So glaubte ich fest daran, dass sie nach so vielen Jahren Erfahrung in diesem Bereich sicher wisse, was sie tue.
Mir selbst traute ich das nicht zu – ich hatte ja keine Erfahrung.
Aber sie war die einzige Anbieterin für geistige Behinderung in Deutschland überhaupt.

Es gab andere Frauen, die ich fast bewunderte.
Deren Homepages derart liebevoll, warmherzig, verständnisvoll und einfühlsam klangen und aussahen, dass ich das Gefühl hatte, in einem Meer aus Liebe zu versinken.
Sie transportierten eine derart andere Welt als „normale Prostitution“, dass man sofort Vertrauen schöpfte und fest daran glaubte, dies sei heilige Arbeit.

Auch im Kontakt mit manchem behinderten Mann erfuhr ich von der großen Einsamkeit.
Davon, dass normale Frauen der Gesellschaft sich niemals Beziehungen mit behinderten Männern vorstellen können.
Dass behinderte Männer niemals gegen nicht-Behinderte konkurieren können.
Dass sie niemals gewollt sind.
Niemals begehrt.
Und tun können, was sie wollen – sie hätten keine Chance auf eine Frau und Familie.

Sie seien einfach nicht vollwertig.

So wurde für mich die Sexualbegleitung zu heiliger Arbeit.
Zu einer Berufung.
Zu großem Glück.
Zu einer absolut erstrebenswerten und zu etablierenden Einrichtung in unserer Gesellschaft.
Ich selbst fühlte mich damit irgendwie wertvoll und wichtig – und auch die Gesellschaft integrierte dieses Thema zunehmend als etwas, das normal schien.

Ich konnte nicht wahrnehmen, dass das eigentliche Kernproblem der Menschheit hierdurch lediglich verschoben; abgegeben und deligiert wurde.
Dass es keine Lösung ist, das Problem der Ausgrenzung; der Abwertung; der Minderwertigkeit; der Isolation und des Ungenügend-seins letztlich …. hm…. in einen gemeinsamen Topf zu werfen, damit sich diese Ausgegrenzten gefälligst gegenseitig wärmen.

Genau genommen, sind sowohl die Behinderten; die Alten und die Huren an die Randzonen der Gesellschaft abgeschoben.
Nun dekorieren wir das einmal mit ein bißchen Wichtigkeit; unzähligen wissenschaftlichen Belegen über die Heilkraft von Nähe; ein paar orientalischen Tüchern, 5 Räucherstäbchen und leise dudelnden Esotherik-Klängen – und schon ist die Gesellschaft gleich sogar DREI Probleme los.

Nein, das hatte ich nicht gesehen; nicht bemerkt oder gefühlt.
Ich fühlte mich wichtig – das erste Mal in meinem Leben.
Und all meine Erfahrungen aus der Kindheit; der Mangel an Liebe und Wärme; die Kenntnis des Schmerzes, den man fühlt in Einsamkeit und Isolation; die Hilflosigkeit, wenn man niemals ernst genommen wird – all meine Seelenqualen, die ich überlebt hatte, wandelten sich in mein Tun in meiner Arbeit mit behinderten und alten Menschen.

Ich konnte ihren Schmerz verstehen; ihre Sehnsucht; ihr Leiden.
Und wir gaben uns gegenseitig, was fehlte.
– das Geld?
Ich glaube, ich hätte jederzeit darauf verzichtet, wenn ich nicht selbst auch hätte meine Miete und all das andere bezahlen müssen.
Aber ich habe niemals mehr genommen, als ich dringend brauchte.
Hierfür bekam ich dann die Verachtung der sogenannten normalen Huren kostenlos mit dazu.
Und manchem dieser Männer gelang es dennoch, meine noch unsicheren Grenzen zu überschreiten und das Mehr/Länger an Leistung, welche sie sich er-manipuliert hatten, einfach nicht zu bezahlen.


Die Gesellschaft begann sich zu wandeln.
Sexualbegleitung – Sexualberatung – Sexualassistenz – und manchmal auch die Tantra-Massagen wurden irgendwie in einen Topf geworfen.
Den Unterschied wußte wohl keiner wirklich zu benennen.
Die Grenzen oder Definitionen flossen ineinander und vermutlich hatte da jeder seine eigene.

Hauptsache gesund.

Die Medien griffen das Thema auf.
Es gab (Lehr-)Filme darüber, Radiointerviews, TV-Reportagen, Zeitungsberichte.
Sexualbegleiterinnen wurden hochgejubelt und beweihräuchert als Segensbringerinnen für all die Ausgestoßenen.

Sie tun ja soooo viel Gutes!!!

Kümmern sich liebevoll um all jene, die keiner haben will.
Wie wunderprächtig.
Ein anerkannter Beruf.
Anerkannt – und doch ohne Ausbildung.
Das Wischiwaschi, das in Trebel stattfindet, um Sexualbegleiterinnen „auszubilden“ schreit zum Himmel.

Man lege einen behinderten Mann in die Mitte eines Raumes.
Und mehrere anwesende Damen flattern, wedeln und streicheln mit duftigen Tüchern im wohlbedufteten Raum über seinen nackten Körper.
Im Hintergrund dudeln sanfte Klänge.

Frauen lernen die Überwindung von offensichtlichem Ekel, Abscheu und Unsicherheit.
Ein bißchen Streicheln hier; ein bißchen Berühren dort.
Zu mehreren muß die Einzelne ja nicht so viel tun.

Den Preis eines Einzeltreffens bestimmt der Veranstalter.
Keine Widerrede – das hast Du unterschrieben.
Behinderte sind arm!!!! – das mußt Du verstehen.
Die Stunde Erotik nur 75€ – ob es dir gefällt oder nicht.
Ob er „kann“ – oder nicht.
Sexualbegleiterin darf nur sein, wer auch bereit ist zu ficken!!!!
Das bestimme ich so!!!
Akzeptiere es – oder verzichte auf mein wundervolles Zertifikat, das dich als ausgebildete Sexualbegleiterin ausweist.
Das Zertifikat, das ich in meinem Büro ausdrucke und wo ich bestimme, ob Du es dir durch Selbstaufgabe und den Verzicht auf einen eigenen Willen auch verdient hast.

*Hust*
Das ist der Grund, warum ich nie ein solches Zertifikat haben wollte.

Auch Behinderteninitiativen begannen, medienwirksam Propaganda zu machen für eine freie, gelebte Sexualität.
Schrien in die Welt, wie wichtig Sex und Berührung für behinderte Menschen ist.
Behinderte erzählten von ihren Puffbesuchen und wie freundlich doch einige Türsteher und Luden sie die Treppen in die Verrichtungszimmer hoch trugen.
Puffs begannen barrierefrei zu werden. Man baute Aufzüge ein und behindertengerechte Zimmer.
Es gibt Seiten im Netz, die behinderten Männern helfen, rollitaugliche Bordelle zu finden.
Es wird geschrieben über Huren, die besonders nett und tolerant sind – auch zu Männern, die aufgrund ihrer Behinderung sabbern; inkontinent sind; spastisch; beatmet.

Eine neue Geldquelle für Zuhälter war gefunden.
Und die Huren sollten nun ausgebildet werden – damit sie auch ja recht freundlich sind zu den neuen Geldbeuteln auf Rädern.

Ein Betreiber eines Groß-Clubs rief mich einst an.
Ob ich bereit sei, seine Mädchen zu schulen?
Ihnen beizubringen, wie das mit den Krüppeln so funktioniert?!
Er wolle jetzt groß bewerben und Räume schaffen im Erdgeschoss.
Da müßten die Weiber ja wissen, wie man mit den ganzen Spasten so umgeht.
Und wie das so ist, wenn die vielleicht rumpissen und kacken; wenn die nix sagen können und bloß rumstottern….

Ich lehnte das Angebot dankend ab.



Ich ende hier wieder die Etappe.
Fortsetzung folgt hier.

 

9 Kommentare zu “Die Grünen und die Sexualbegleitung Teil 2

  1. Pingback: Grüne fordern Sex auf Rezept – Missbrauch, Folgen und der Weg

  2. Liebe Luise,
    Herzlichen Dank für deine Einblicke. Ich denke, es wäre so wichtig, dass jene den Beitrag lesen, die Sexualbegleitung fordern. Es macht betroffen und erklärt so vieles das eben dein wertvolles Erfahrungswissen und deine Sensibilität dich erkennen ließ. Vielleicht magst du den Grünen einen Link senden? Natürlich, da ist dann die Gefahr evtl. gefragt zu werden um ein Gespräch, das du aber wg. Anonymität von vornherein ausschließen kannst. … Ich hoffe, du fühlst dich frei, dies zu tun, oder eben nicht. Mag nur feststellen, dass ich deine Beiträge darüber für sehr gut und wichtig halte. Es wäre wundervoll, kämen sie an jene Stelle, denen offenbar der Einblick fehlt.
    Danke ❤
    Alles Liebe dir
    "Benita"

    Gefällt 2 Personen

    • Es fällt mir immer sehr schwer, mich irgendwem „aufzudrängen“, aber ich hatte ähnliche Gedanken.
      Ein paar wenige Kontakte hätte ich ja an passender Stelle – ich muß mal gucken, ob ich mich traue…
      Danke für dein feedback und die lieben Worte ❤

      Gefällt 1 Person

      • Das hat mit „aufdrängen“ denke ich nichts zu tun. Eher mit einem Verständnis von direkter Demokratie, wo alle Bürgerinnen und Bürger an einer positiven Veränderung unserer Gesellschaft mitarbeiten können und sollen. Dein Wissen ist wertvoll für die Gesellschaft. Es ist wertvoll, um jene Welt zu erhalten, die wir uns wünschen. … Klar ist da evtl. Angst vor Zurückweisung, wenn ich offen die Meinung sage. Aber du bist ja anonym. … Ich halte es auch für heilsam.
        Erinnert mich, dass ich noch Mails an einige Parlamentarier senden wollte, wg. einer Veranstaltung zu sexueller Gewalt im Parlament. … Fällt mir auch schwer. Aber jetzt trau ich mich. Versprochen. 😉 Hat null Einfluss auf deine Entscheidung, hoffentlich. 🙂

        Gefällt 2 Personen

      • *lach*….
        Wenn ich mich nur ein bißchen besser auskennen würde mit diesen # – wie heißen die?! – ah… Hashtags…
        Und wie man die vielleicht verwenden könnte, um gefunden zu werden….

        Ich schreib in jedem Fall mind. noch einen Beitrag zum Thema. Da ist noch zu viel offen. Vielleicht, wenn ich alle zusammen hab, trau ich mich 🙂
        – was auch immer. Aber irgendwas.
        Ich wünsche auch dir viel Mut 🙂

        Gefällt 2 Personen

      • Mit hashtags kenn ich mich auch nicht aus. (???) Gibt’s die nicht nur auf Twitter? Keine Ahnung. … Bin neugierig (passt das Wort zu dem Thema? Ich bin interessiert, unbedingt) auf die Fortsetzung von dem Beitrag. … Danke ❤ wünsche dir ebenso viel Mut und Selbstsicherheit. 🙂

        Gefällt 2 Personen

  3. Pingback: Sex auf Rezept und die Grünen – Teil 3 – Missbrauch, Folgen und der Weg

  4. Pingback: Abschied – Missbrauch, Folgen und der Weg

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