Grüne fordern Sex auf Rezept

Gestern fand ich im feeder auf facebook diesen Beitrag.

Ich konnte ihn zugegebenermaßen nicht wirklich gut lesen. Irgendetwas in mir wurde getriggert; etwas schrie in mir und wehrte.
Ich weiß nicht, ob es bei klick auf den Link möglich ist, den Text zu lesen, welchen die postende Frau selbst dazu geschrieben hatte. Er macht mich durcheinander im Kopf und die zustimmenden Likes von Menschen, die ich aus Gruppen kenne, machen mir große Traurigkeit.

Eine andere Frau hier in den Blogs hatte mich über die Kommentarfunktion gebeten, irgendeinen anderen Text aus meinem Blog heraus zu suchen und ihn ihr zu schicken.
Irgendwer wolle einen Beitrag schreiben über Behinderung und Sexualität – hierfür könnte man ihn gut gebrauchen.

Völlig davon abgesehen, dass sie mich nicht einmal fragte, ob ich die Verarbeitung und Benutzung dieses Textes überhaupt WILL;
und abgesehen davon, dass ich sie bereits mehrfach wissen ließ, dass sie meine Grenzen überschreitet
hat mich ihre Anfrage insgesamt getriggert.

Weil dieses Thema etwas in mir berührt, das vorhanden ist – das ich im Moment allerdings eigentlich nicht ansehen; nicht fühlen und nicht erforschen will.
Im Moment habe ich ansich völlig andere Baustellen und andere Themen.
Im Moment will ich mich um meine Heilung kümmern; meinen Umzug und meine Ehe.

Und nicht um irgendwelche politischen Themen um Prostitution und Behinderung/Alter.

Als Drittes hatte mir dann noch eine weitere Frau; eine Überlebende von Gewalt und Prostitution, ebenfalls einen Link geschickt zu den Plänen der Grünen.
Als ich den Link sah, stellten sich mir alle Haare.
„Nicht schon wieder!!!!“ schrie es in mir.

Sie war wütend und emotional sehr aufgeregt darüber, welches Leid durch ein solches Gesetz über all die Prostituierten käme.
Welche Bedeutung und Folgen solch ein Gesetz für die Psychen der Huren hätte.
Und sie wollte, dass ich ihr sage, wie ich das sehe.
Sie wollte sich austauschen und vielleicht auch bestätigt fühlen.

Ihre Sicht auf die Prostituierten überraschte mich.
Sie verwirrte mich und ich brauchte Zeit, um meine eigene Position einmal von ihrem Standpunkt aus einzunehmen.
Mich dorthin einzufühlen; es mir vorzustellen.
Und ja – offensichtlich ist dies auch eine Möglichkeit, dieses Gesetz zu beleuchten.
Von dieser Warte aus hatte ich es bislang nie betrachtet.

Auch meine bisherige Perspektive hatte widerum sie überrascht.
Und so tauschten wir uns also kurz miteinander aus und erkannten, wie viele unterschiedliche Facetten das Thema hat und wie komplex und weitreichend die Folgen eines solchen Gesetzes sein würden.
Es war mir für den Moment zu viel; zu groß; zu kompliziert – und ist es eigentlich noch immer.

Eigentlich will ich damit nichts zu tun haben.
Aber andererseits sollte man Stellung beziehen – sonst darf man hinterher, wenn das Kind im Brunnen liegt, auch nicht heulen.

Ich tue mich unsagbar schwer hier mit diesem Text.
Es will nichts fließen – wie sonst.
Und die Komplexität überfordert mich.

Ich habe den Gesetzentwurf nicht gelesen; ich meide solche Nachrichten und versuche mich fern zu halten von all der gequirrlten Scheiße und dem Krieg darum.
So kann ich also nicht sagen, was im Moment IST.
Ich kann auch nicht sagen, wer was will.

Aber ich weiß dennoch, um die verschiedenen Positionen, Argumente und die Risiken.
Ich weiß darum, weil ich mittendrin gewesen war.
Weil ich viel und oft mit Sexualbegleiterinnen und Menschen mit Behinderung gesprochen habe.
Weil ich selbst eine Sexualbegleiterin gewesen war und ich selbst früher nur die Vorteile sehen wollte von solch einem Gesetz.
Weil ich selbst eine Befürworterin dessen gewesen war und auf der Seite der Sexarbeiter-Lobby gestanden und mit gekämpft hatte – vielleicht nicht inmitten derer Gruppe. Aber dennoch für ein selbstständiges, legales und freies Arbeiten und finanzielle Unterstützung für behinderte Freier.

Aber genau deshalb kann ich beide Seiten sehen – bzw. ALLE Seiten.

Jene der Freier und jene der Huren.
Jene der Gewaltopfer unter den Huren – und jene, der Gewaltopfer unter den Freiern.
Auch jene der Zuhälter und anderer Nutznieser öffentlicher Gelder.
Und die all der Heilerziehungspfleger und der Heimleitung von Wohnstätten für Senioren und Menschen mit Behinderung.
Auch die der Eltern von behinderten Menschen.

Fakt ist wohl, dass die Grünen wieder einmal versuchen „etwas Gutes zu tun“.
– oder zumindest so zu tun.
Etwas Gutes für die armen Alten und die Behinderten.
Man muß sich doch kümmern…..

Fakt ist auch, dass sich immer mehr Menschen öffentlich dazu äußern, dass es inzwischen „wissenschaftlich belegt sei“, dass Zärtlichkeit, Berührung, menschliche Nähe und Wärme Krankheiten vorbeugt.
Dass ein geliebter Mensch wesentlich glücklicher ist, als ein ungeliebter.

Dass Menschen in liebevoller Umgebung seltener Herzinfarkte erleiden; dass dies gegen Diabetes vorbeugt und Schmerz lindert.

Und dass Liebe insgesamt ein besseres Körpergefühl schenkt und Depressionen vermeidet.

Hierzu muß man vermutlich nicht studiert haben – das dürfte jeder Mensch aus eigener Erfahrung wissen.

Und all dieses wollen die Grünen nun also gerne auf Staatskosten zur Verfügung stellen.
Schließlich spart man hierdurch Unsummen an Behandlungskosten.
Und es gibt zusätzlich noch viele weitere Vorteile.

Auch die Sexarbeiterlobby schreit lauthals in die Welt, dass auch Menschen mit Behinderung ein Anrecht hätten (!!!!) auf Zärtlichkeit, Wärme, Berührung und Orgasmen.
Dass es doch einzusehen sei, dass es Menschen gäbe, welche aufgrund ihres Alters oder ihrer Behinderung und/oder der Lebensumstände nicht in einer Partnerschaft leben könnten.
Menschen, welche für andere nicht begehrenswert sind.
Menschen, welche keiner haben will.
Menschen, welche einsam, alleine und ungeliebt irgendwo vor sich hin vegetieren.

Und für diese Menschen sei ein solches Gesetz unabdingbar.
Solche Menschen lebten häufig auf Harzt4-Niveau und könnten sich den Besuch einer Sexualbegleiterin meist nicht leisten.
Und hier sei der Staat gefälligst in die Pflicht zu nehmen unter Berufung auf die Menschenwürde und darauf, dass jeder Mensch zu bekommen habe, was für sein Leben notwendig sei.

Man reitet auf der Mitleidswelle; dem Verständnis und der Nächstenliebe herum – und am Ende geht es doch nur um Geld.
Behauptet, Zärtlichkeit, Berührung und Befriedigung der sexuellen Triebe gehören in jeden Fall zu den Notwendigkeiten eines menschlichen; menschenwürdigen Lebens.

Hierüber zu streiten, ist müßig.
Auch ich vertrat diese Meinung lange Zeit selbst.
Wenn auch teilweise unter anderen Aspekten und nicht so vehement.

Es stößt mir als Auffälligkeit auf, dass zwar so viele Menschen offensichtlich sehen und erkennen, dass in Heimen und um behinderte Menschen herum oft die Liebe fehlt; das Verständnis; mal eine Umarmung und vor allem die Zeit und Geduld – dass die Lösung hierfür jedoch von keinem innerhalb des Systems gesehen wird; beim eigenen Tun.
Sondern es vielmehr Aufgabe sein soll von „Liebesdienerinnen“ über gekauften Sex solche Gefühle zu transportieren.

Aber ersetzt ein gekaufter Fick all die Zeit und Geduld, die Betreuungspersonal NICHT zur Verfügung stellt?
Ist es ein Fick, der alle Probleme und Defizite anderer Menschen lösen kann?

Es gibt Arten von Behinderung, die es dem Menschen unmöglich macht, sich selbst zu befriedigen.
Ein Gesetz verbietet es, dass Pflegepersonal bei sexuellen Handlungen behilflich ist.
Das Gesetz dient zum Schutz gegen mißbräuchliche Machtverhältnisse – unbedeutend, ob nun der Mensch mit Behinderung oder der Pflegende vom jeweils anderen im Abhängigkeitsverhältnis einer Anstellung zur Befriedigung von Sexualität mißbraucht wird.

Somit ist es also verboten, dass ein Mensch im nahen Umfeld bei der Masturbation unterstützt.
– folglich müßte ein außenstehender (Dienstleister) her.

Diese Arten von Behinderung können ja durchaus aus verschiedenen Gründen auftreten.
Es kann sich um eine Amputation handeln; eine Lähmung; eine Muskelerkrankung.
Es kann durch das Alter entstehen oder durch anderes.

Es war immer meine Meinung gewesen, dass zumindest die Selbstbefriedigung eines Menschen gewährleistet sein sollte. Irgendwohin sollte die Lust geleitet werden können; irgendein Ventil sollte vorhanden sein.
Und ein Anrecht auf Masturbation könnte ich mir als eine Art von Grundrecht noch vorstellen.


Wohingegen ich mich mit all den anderen ausgerufenen und gerne gewünschten „Anrechten“ eher schwer tue.
Ein Anrecht auf Sex? Auf Befriedigung? Auf Orgasmen?
Gar auf Liebe????

Ich weiß nicht, wie man auf die Idee kommen kann, solch ein Anrecht zu fordern.
Es gibt derart viele Menschen, die ohne Beziehung leben.
Ohne Liebe.
Ohne Zärtlichkeit.
Ohne Geschlechtsverkehr.
Ohne Orgasmen.
Viele von ihnen tun dies sogar freiwillig.

Ein Großteil jedoch auch deshalb, weil sie einfach Idioten sind.
Bösartig.
Agressiv.
Egoistisch.
Raffgierig.
Neiderfüllt.
Ungepflegt.
Unhöflich.
Brutal.
Grob.
Link und hinterfotzig.
Lügner.
Ignoranten.
Kaltherzig.

Weil sie draußen auf dem freien Markt einfach keinen Menschen kennenlernen, der so dumm wäre, eine Beziehung mit ihnen einzugehen.
Oder auch keinen Menschen, der bereit wäre, für eine beschissene Ego-Nummer mal „einfach so“ die Beine breit zu machen.
Weil sie keine Lust haben, sich zu ändern.
Keine Lust haben, auf einen anderen einzugehen; sich zu bemühen.
Sich nicht zurück nehmen wollen oder nicht teilen möchten.
– oder was auch immer.

Hätten dann auch all diese Menschen ein Anrecht auf Sex auf Staatskosten????
Oder überhaupt ein Anrecht auf Sex?

Würde dies bedeuten, dass man sich auf der Straße einfach irgendwen nehmen könnte? Vergewaltigen? Weil man ja ein Recht auf Befriedigung habe???

Welche Konsequenzen hätte denn ein solches Gesetz, das sagt, Sexualität sei ein Grundrecht des Menschen???
Wie erschreckend wären die Folgen einer solchen Aussage bzgl. der Vergewaltigungen von jedwelchen anderen Lebewesen???

Und bei all den ganzen wissenschaftlichen Beweisen über die Heilkraft von Liebe – will irgendwer wahrhaft behaupten, dass Prostitution auch nur den Hauch von Liebe beinhaltet??? Ist Liebe bei Huren kaufbar????
Es wäre das erste Mal, dass ich davon hören würde.
Liebe – die können nicht einmal Nonnen verkaufen.
Liebe ist kostenlos. Das habe ich inzwischen gelernt.
Ein Anrecht hierauf kann es jedoch per Gesetz niemals geben.
Worin sollte nun also der Nutzen der staatsbezahlten Hurenbesuche liegen, wenn deren Heilkraft aus Mangel an Liebe unwirksam ist?

Man sagt, in Holland bekämen Menschen mit Behinderung bereits seit vielen Jahren Sexualbegleitung auf Rezept – und will damit ausdrücken, dies sei gut und seit Jahren erprobt.
Man will Holland als Vorzeigeland her ziehen, um solch ein Gesetz auch in Deutschland zu schaffen.
Und übersieht dabei aber, dass es ebenfalls Holland ist, das mit den seit vielen Jahren sehr liberalen Prostitutionsgesetzen inzwischen darüber nachdenkt, dies alles wieder zu ändern.
Weil auch Holland bemerkt, dass all die Offenheit nicht zu einer gewünschten Entspannung – sondern vielmehr zu mehr Gewalt, mehr Kriminalität und mehr Aktivitäten im Verborgenen geführt hat.

Und obwohl im Moment sehr viele Menschen mehr oder weniger fanatisch darum kämpfen, dass Prostitution insgesamt verboten wird, bzw. der Sexkauf
will nun also die Grünenpartei vielmehr sogar eine Erweiterung der Legalität.

Der Staat soll Sex bezahlen.
Die Steuerzahler sollen arbeiten gehen, damit andere ihr Anrecht auf Sex mit deren Geldern bezahlen können.

Die eingangs erwähnte Überlebende gewaltvoller Prostitution sagte zu mir, wie wütend es sie machen würde, dass hierbei wieder die Prostituierten die Leidtragenden wären.

Sie sähe bereits vor ihrem inneren Auge, wie geldgeile Zuhälter ihre jungen, unerfahrenen, gequälten und geprügelten Mädchen zu alten Säcken ins Pflegeheim karren.
Wie sie die Puff-Gutscheine der Staatskasse einkassieren und Lieferwagenweise Frauen zu Wohnheimen fahren und dort aussetzen.

Und die jungen Mädchen dann von dementen, ungewaschenen, groben, rheumaverkrümmten, gefühllosen, verschissenen, notgeilen alten Säcken begrapscht, gekniffen, abgeschleckt, geknutscht und gerubbelt werden.
Wie die Alten agressiv und wütend werden; ungehalten und gemein – weil sie keinen mehr hoch kriegen.
Und wie sie die Mädchen beschimpfen, dass sie sich nur nicht genug anstrengen würden; nur nicht genug bemühen.
Und wie sie Praktiken fordern würden an ihren alten, ausgemergelten Körpern, die die Mädchen kotzen ließen.

Und dies tatsächlich und wahrhaftig mit dem rechtlich legitimierten Argument auf ihr Grundrecht auf Sex?!
Das darf nicht sein!!!

Zugegeben – diesen Aspekt der Konsequenzen aus solch einem Gesetz hatte ich selbst überhaupt nicht gesehen.
Nicht sehen wollen.
Nicht fühlen wollen.
Nicht akzeptieren wollen.
Erst ihre Aufregung hierüber hatte mich darauf gestoßen; mich an mich selbst erinnert; all die Begegnungen mit ebensolchen Freiern und das Leid all der Frauen (wieder) spüren lassen, die bereits heute schon mehr als genug leiden.

Weil sie bereits heute leiden – auch ohne dieses Gesetz.
Ein Gesetz, welches sie bei ungenauer und unüberlegter Formulierung dazu zwingen könnte; das aussagen könnte, dass Vergewaltigung rechtlich legitimisiert zu ertragen sei.



Ich selbst hatte vielmehr die andere Seite auf dem Schirm.

Ich erinnerte mich an Geschichten von Freiern – von behinderten Freiern – in welchen sie mir erzählten von Huren, die ihnen Leid zugefügt hatten.

Ein behinderter Mann ist oftmals darauf angewießen, dass er – wenn er Kontakt zu einer Sexualbegleiterin wünscht – sich von dieser besuchen läßt.

Oftmals führt eine Behinderung zu einer gewissen Hilflosigkeit.
Und meist wird das Pflegepersonal, das ansonsten eine Rundumbetreuung gewährleistet, in der Zeit eines Hurenbesuches weg geschickt.
Das bedeutet, dass der Freier in diesem Fall vollkommen an die Prostituierte ausgeliefert ist.

Je nach Art der Behinderung hörte ich bereits mehrfach von gewaltvollen, räuberischen Erfahrungen mit Huren.
Manches Mal wird der Freier nackt auf´s Bett gelegt – von wo aus er aus eigenen Stücken nicht mehr weg kommt – und der Zuhälter wird in die Wohnung gelassen, um sie gemeinsam auszuräumen.

Oder Freier werden durch sadistische Praktiken verletzt, verwundet und gegen ihren Wunsch gefesselt oder gequält.

Ich weiß von einer – in der Szene – recht bekannten Sexualbegleiterin, welche ebenfalls in der Kindheit sexuell mißbraucht wurde.
Sie macht hieraus keinen Hehl – genauso wenig daraus, dass sie große Erregung, Lust und Befriedigung darin findet, wenn ihre Freier Kot und Urin lassen.
Dass dies ihr Fetisch ist.

Sie brüstete sich einst damit – und ja, ich kenne diese Methoden ebenfalls – dass sie in der Lage sei, durch bestimmtes Vorgehen bei gelähmten Männern die Inkontinenz zu provozieren.
Sie förmlich zu zwingen, Kot und Urin zu lassen – und somit von ihren Freiern jenes zu nehmen, das sie sich dringendst ersehnt.

Ich hatte selbst ausreichenden Kontakt zu Männern mit Lähmungen, um zu wissen, dass es für sie den absoluten Obergau bedeutet, das Bett zu verschmutzen.
Es gehört zu den allerpeinlichsten Dingen, die passieren können und die Scham ist unermeßlich.

Somit erachte ich das Vorgehen dieser Sexualbegleiterin als extremst mißbräuchlich und übergriffig – da sie ihre Freier alleine zum Zweck ihrer eigenen Bedürfnisse in eine für die Freier unsagbar beschämende Situation bringt.

Auch habe ich von anderen Praktiken gehört, welche sie bei behinderten Freier anwendet – OBWOHL diese sich nicht wohl fühlen damit.
OBWOHL diese sagen, sie möchten das nicht.
OBWOHL diese nein sagen.

Trotzdem ist diese Sexualbegleiterin sehr bekannt; sehr anerkannt.
Ihr Wort gilt als Experten-Wissen.
Und sie ist Mit-Repräsentantin für den „Beruf der Sexualbegleiterin“.

Insgesamt ist der Boden der Sexualbegleitung; der Dienstleistung an Menschen mit Behinderung sehr fruchtbar für Mißbrauch jedwelcher Art.

L. S. z.Bsp. veranstaltet Seminare, um ein Zertifikat zur Sexualbegleiterin zu erlangen.
Man gilt dann als „ausgebildet“.

Es finden Gruppen statt, in welchen interessierte behinderte Männer und lernwillige Frauen zusammen kommen.
Die Frauen lernen dort an den behinderten Männern diesen Beruf.
Die behinderten Männer bezahlen in der Gruppe nichts, können aber Einzeltreffen gesondert vereinbaren – den Preis für diese Einzeltreffen schreibt Herr S. den Teilnehmerinnen vor.
Er bestimmt den Preis.
– dies fällt unter den Straftatbestand der Zuhälterei.

Ich weiß von einer Frau, welche diesen Beruf gewählt hatte, weil es ihr Freude macht, Menschen gut zu tun.
Sie lebt in einer lesbischen Beziehung, ist selbstständig und alleine arbeitend – weil sie hiermit die Freiheit nutzen mag, selbst zu entscheiden, was, wie, wann und mit wem sie tun möchte.
Und sie offeriert ihre Sexualbegleitung ausschließlich Geschlechtsverkehr.
Also OHNE diese Praktik.

Auch sie hat ihr Zertifikat, das sie als ausgebildete Sexualbegleiterin ausweist, von Herrn S. erhalten
– das entgegen des Eindrucks, das ein Zertifikat erwecken soll, eine reine Erfindung von Herrn S. ist, welches er nach Gutdünken und Honorar verteilt. Es steht keine offizielle Behörde oder Prüfanstalt dahinter und garantiert keinerlei qualifizierte Fachausbildung.

Einst erfuhr ich, dass Herr S. sie bedrohe.
Wenn sie nicht bereit sei, Geschlechtsverkehr anzubieten, müsse er ihr das Zertifikat wieder entziehen.
Eine Sexualbegleiterin MÜSSE auch Geschlechtsverkehr anbieten.
Auch dies ist in meinen Augen eine Art von Zuhälterei; von Mißbrauch.


Ich ende hier einmal mit Teil 1.
Nach nun über 3 Stunden schreiben werde ich wohl zu einem anderen Zeitpunkt mit Teil 2 neu ansetzen.

Die Fortsetzung meines Textes ist hier.




Eben gefunden:

Hierzu auch
Sexualassistenz – der Wolf im Schafspelz

Warum Sexualassistenz auch nur Prostitution ist

Ich möchte hier gerne noch ein sehr großes Danke schreiben an Huschke Mau, der es gelingt, all jenes in so gut verstehbare und deutliche Worte zu fassen, was mir selbst so irrsinnig schwer fällt.

Weil sie den Mut hat, die Dinge beim Namen zu nennen und offen zu legen in all seiner Klarheit.

Und ja, ich stimme ihrem Absatz

Es ist die Tatsache, dass ich als Exprostituierte weiß, wie furchtbar es sich anfühlt, die hier geforderten „sexuellen Dienstleistungen“ abzuliefern.

Es ist die Tatsache, dass diese Debatte geführt wird mit dem Argument, dass alte, behinderte, demente Menschen Nähe bräuchten, Zärtlichkeit, Berührung, Zuwendung. Und ich weiß, dass sie das brauchen, ich habe gesehen und gefühlt, dass ihnen das fehlt. Das hat geschmerzt. Und nicht zuletzt: ich kenne dieses Defizit auch von mir selbst. Ich weiß, wie es ist, einsam zu sein, und ich weiß aus meinem Elternhaus noch wie es ist, gerade mal so abgefüttert zu werden und nie liebevoll berührt.

Aber vor allem ist es die Wut darüber, dass genau diese Menschen hier missbraucht werden um uns weiszumachen, es brauche „sexuelle Dienstleistungen“ für alle.

vollumfänglich zu, wenn sie beschreibt, weshalb sie dieses Thema so grausam schmerzhaft berührt. Es ist das selbe Gefühl; die selbe Wut und Fassungslosigkeit, die auch ich verspüre.

8 Kommentare zu “Grüne fordern Sex auf Rezept

  1. Liebe Luise,
    Danke für deine wichtigen Ausführungen. Ich hab in der Zeitung mal eine kurze Notiz gelesen, kenne die Debatte aber nicht. Mir fällt bloß auf, dass es scheinbar nur um männliche Behinderte geht. Auch dass scheinbar keine Idee besteht, dass es auch bei Behinderten unterschiedliche sexuelle Orientierungen geben kann. Eine homoerotisch orientierte Person mit einem/r heterosexuellen Sexualpartner/in zu „beglücken“ ist ebenso Gewalt, selbst wenn sonst noch keine Gewalt vorfiel! Was aber wenn die Person sich nicht vermitteln kann?
    Nur ein weiterer Aspekt von möglicher Gewalt, der Tür und Tor geöffnet wird dadurch. … Die anderen hast du beschrieben. Danke dafür. ❤
    Alles Liebe dir und einen entspannten, friedlichen restlichen Tag ❤
    "Benita"

    Gefällt 2 Personen

    • Richtig – mir ging heute die Puste aus….
      Ich hab da Dinge erlebt, mit diesen „wohlmeinenden Betreuern“…. – und sogar Eltern, die mir geistig behinderte Menschen brachten und sich aber weiters nicht drum kümmern wollten mit der Begründung, die „Privatsphäre dieser Menschen ginge sie nichts an“. Von wegen, das sei „Anstand“, sich vollständig zu entziehen und diese Menschen mir hilflos auszuliefern. Wortlos; verklemmt und beschämt hatten sie fluchtartig meine Räume verlassen und ihre Opfer bei mir zurück gelassen.
      Ich hätte ja weiß Gott mit ihnen tun können!!!

      Oft wurden sie nicht einmal mehr abgeholt und ich saß dann da mit jemandem, den ich nicht verstehen konnte….

      All dieses beschissene „Gutmeinen“ ist derart widerlich, zum Kotzen – und am Ende doch nur ein Abwälzen von unlösbaren Problemen auf andere.
      Die Leute werden ABGESCHOBEN, damit sie bestenfalls frisch gefickt und zukünftig „einfach pflegbar; wegstellbar“ wieder zurück geliefert werden.
      Das ist widerwärtig!!!

      Und ganz furchtbar grausam für all jene, die sich nicht artikulieren und/oder wehren können.
      Mißbrauch in Reinkultur.

      Gefällt 2 Personen

  2. Ach Luise, ich danke Dir dafür, dass Du trotz Trigger so mühevoll ausführlich schreibst!
    Ich bin gestern auch über diese Schlagzeile gestolpert und schlug mir instinktiv an die Stirn.
    Egal von welcher Seite man es betrachtet, es wird Missbrauch stattfinden. Meine Meinung wäre noch viel ausführlicher, aber ich möchte Dich damit auch nicht noch mehr festhalten.
    Nur noch so viel: Wer hatte die Idee? Dritte. Wieder einmal. Jemand von außen, der weiß was andere brauchen und gut für sie ist. Zum Heulen!
    Sei lieb umarmt!

    Gefällt 3 Personen

    • Du darfst gerne ausführlich schreiben – es zu lesen und mich zu äußern ist einfacher, als einen Text zu schreiben, der womöglich durch das Durcheinander, die Masse und Vielfalt in meinem Kopf schwer erfaßbar sein könnte.

      Mal gucken, ob ich es morgen oder die Tage irgendwann schaffe, noch mehr zu schreiben.
      Danke für die Umarmung ❤ Ich drücke gerne zurück.

      Gefällt 1 Person

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