Und ganz unten; ganz tief unten….

unter dem Strich….
unter der großen Rechnung
– merkt man, dass es DOCH Liebe ist.
Dass Liebe unvergänglich ist und immerdar.

Jahresende…
Mit all seinen Feiertagen
All der „guten Stimmung“
All diesem „Familien-Ding“
All diesem aufgesetzten, theatralischen, verlogenen, vor sich hergetragenen Scheißdreckmist…..
Nein, ich glaube, ich werde Weihnachten nie mögen.

Und mein Mann kann sich noch so anstrengen mit seinem Baum und seiner Gemütlichkeit.
Irgendetwas in mir haßt Weihnachten aus vollstem Herzen.
Irgendwas in mir kommt damit nicht zurecht.
Irgendwas in mir würde dieser bekackten Verwandtschaft am liebsten all die Wahrheiten in mir um die Ohren werfen.
Ihnen die Masken abreißen und sie nackig ausziehen.
Ihnen den Spiegel vorhalten und ihnen zeigen, wie häßlich sie sind.
Wie unsagbar häßlich in ihren Seelen und Herzen.
Und wie unsagbar dumm.

Gestern schon…. als ich in den Blogs anderer hier las, hätte ich fast traurig lachen können.
Aber mir fehlten die Worte; ich wußte nichts zu sagen und so verließ ich die Blogs, als wäre ich nie dort gewesen.

Vielleicht ist es besser so.
Andererseits tut es mir Leid – weil ich mich selbst immer so freue, wenn ich euer Hiersein bemerken; lesen und fühlen darf.
Und weil man sich doch oft so grausam einsam und ungesehen fühlt.
Und es erwärmt, nicht alleine zu sein.

Auch heute wieder…. überall, wo ich lese….. alle sind erfüllt von ähnlichen Gefühlen wie ich selbst.
Jahresende….
Zeit des Abschieds.

Ich hatte derletzt davon geschrieben, dass ich mit meinem Mann am Tisch gesessen und geredet hatte.
Am Ende hatte ich geweint.

Ja, ich bin im Moment furchtbar.
Meine Schattenseite drängt sich ins Licht.
Ich bin all jenes, das ich nicht sein will.

Ich hatte meinem Mann gesagt, dass es sich anfühlt, als käme zum Jahresende aber auch wirklich JEDER zu Besuch.
Jeder, den man weder eingeladen hat, noch sehen mag.
Und sie kommen alle und setzen sich an den Tisch; wollen gemeinsam essen und trinken und sitzen dürfen.

Natürlich könnte man versuchen, sie einfach nicht herein zu lassen.
Man könnte sie auch versuchen, schnell wieder hinaus zu drängen.
Oder sie anzubrüllen und zu verjagen.
Man könnte es auch mit Ignoranz probieren und hoffen, sie gehen dann von alleine wieder.
– aber irgendwie….. ist das alles nur schmerzhaft und kaum erfolgreich.

Und dann hockst Du da am Tisch, immer wieder kommt wer anderes; immer wieder klingelt es oder die Türe springt ohne Vorwarnung auf und sie stürmen herein.

Und Du bist völlig überfordert.
Völlig überrannt.
Vollkomen hilflos.
Absolut ausgeliefert.
Und sie sitzen mit dir am Tisch und essen dir all deine Vorräte auf.
Erzählen von Dingen, die Du nicht hören willst.
Werfen dir Dinge vor, die Du garnicht getan hast.
Schüren bei deinem Partner die Wut gegen dich.
Stellen dich in den Schatten oder in ein ungünstiges Licht.
Sind laut, unflätig, ungerecht und gemein.

Und Du kannst nichts dagegen tun – außer, es auszuhalten.

Ich sagte zu meinem Mann, dass es vermutlich der beste Weg wäre, sie alle freundlich Willkommen zu heißen.
Sie zu umarmen; zu küssen und ihnen zu sagen, wie sehr man sich freut, dass sie gekommen sind.
Sich mit ihnen an den Tisch zu setzen und ihnen das Beste zu servieren, das man hat.
Mit ihnen zu lachen; zu weinen und zu trauern.

Und irgendwann, wenn sie satt sind und genug erzählt haben…. irgendwann, sind sie bereit zu gehen.
Dann werden sie alleine aufstehen; alleine die Mäntel nehmen und zur Türe gehen.
Und Du wirst sie umarmen; küssen und ihnen sagen, wie sehr Du dich gefreut hast, sie einmal wieder gesehen zu haben.
Und Du wünscht ihnen ein gutes, neues Jahr.
Viel Zufriedenheit, Liebe und Lebendigkeit.
Und dann werden sie gehen…..
– bis nächstes Jahr.

Vielleicht kommen sie dann glücklicher.
Vielleicht sind sie dann höflicher.
Zurückhaltender.
Umsichtiger.
Wärmer.
– aber kommen tun sie ganz gewiß.

Ich habe in meinem Leben sehr viele Weihnachten und/oder Silvester alleine verbracht.
Da fiel mein Besuch nicht so auf – weil  niemand da gewesen wäre, dem ich ihn hätte entgegen kotzen können.
Die Stimmung war dennoch da.
Der Besuch; der Schmerz; die Traurigkeit und Wehmut.
Wie oft stand ich alleine an einem Fenster und sprach mit meinem Spiegelbild….

Die Jahresenden mit meinem Mann nun waren immer schwierig.
Wir wußten nicht gut damit umzugehen und versuchten, Wege zu finden.
Wege, die mal besser, mal schlechter funktionierten.
Versuchten zu lernen; zu verstehen und zu begreifen.
Auch zu verändern.

Mein Mann ist da.
Mein Mann kriegt es ab.
Mein Mann ist gezwungen, gemeinsam mit mir an diesem Tisch zu sitzen und all unseren Besuch mit zu ertragen.

Es scheint, als gäbe es keinen, der nicht käme.
All die Erinnerungen.
Alle Verletzungen und Schmerzen.
Jede Verwundung und Qual.

Auch Rambo und Luise sind da.
Ein kleines Mädchen, das längst den Glauben aufgegeben hat, jemals schöne Weihnachten zu erleben.
Die Mißverständnisse und Irrtümer des ganzen Jahres kommen zu Tisch.
Die Wut, der Zorn, die Bitterkeit und Einsamkeit.
Die Ungerechtigkeit und Tobsucht.
Die Vorhaltung und auch das Jammern.
Die Ungeduld; das Genervtsein; die Kraftlosigkeit und Erschöpfung.

Alle haben sie so unendlichen Hunger.
Sie sind derart ausgemergelt und dürr, dass sie nichts anderes können, als lärmen, fressen und saufen.

Und nein – sie lassen sich nicht aussperren.
Nicht unsichtbar machen.
Nicht ablehnen.

Sie sind da und sie gehören dazu.
Sie sind genauso ich, wie alle anderen auch.

Mein Mann und ich sind uns einig.
Wir werden versuchen, uns für die weiteren Jahresenden andere, bessere Wege zu suchen, um damit umzugehen.
Auch er hat Besuch.
Wenn auch sein Besuch sich selten klar zu erkennen gibt.
Sein Besuch kommt meist im Kostüm.
Im Kostüm des Virus und des Bazillus.
Aber auch dieser Besuch hat stets großen Hunger.

Gestern war ich in der Apotheke und habe uns für ein Vierteljahr Vitamine geholt.
Ich habe Wut.
Weil ich es zugelassen habe, dass so viele der guten Dinge, die ich mir in meinem früheren Leben erarbeitet hatte, seit der Beziehung mit meinem Mann wieder aus meinem Leben verschwunden sind.

Es gab einiges, von dem ich wußte, dass es mir gut tut.
Dass es mir hilft und wichtig für mich ist.

2017 werden einige dieser Dinge zu mir zurück kehren.
Ich erobere sie mir wieder.
Oder aber sie ergeben sich durch den Umzug fast automatisch.

Ich werde wieder mehr Auto fahren (können) – weil Autofahren für mich ist, wie Urlaub für andere.
Lebendigsein; Erholung; Kraft-Tankstelle….
Auch eine Wohnung als Heimat, werde ich wieder haben dürfen.
Eine Küche mit Platz, in welcher ich wieder gerne kreativ bin.
Und wenn mein Mann mein Gebackenes dann immer mit ins Büro nimmt… – egal.
Ich mag wieder schaffen können; den Duft in der Wohnung haben….

Eine Liegewiese im Wohnzimmer; Erholung; Gemeinsam; Nähe.

Raum, für uns beide zum erholsamen Schlaf.
Leben ohne Zurückhaltung; Rücksicht; Einengung.
Sich selbst leben dürfen und sein, der man ist – weil man niemanden mehr aufweckt oder stört. Und auch selbst nicht mehr gestört wird, wenn man Ruhe braucht.

Eine Dusche, statt der blöden Wanne.
Funktionierende Heizungen, statt feuchter Kälte.
Große Betten, statt Eingeengtheit.
Rollläden, statt Sonnenschein ab 4 Uhr Früh (im Sommer).

Und hoffentlich der Mut, endlich wieder raus zu gehen.
Und eben auch meine Vitamintabletten.

Jetzt sind noch 3 Tage Zeit für Abschied.
3 Tage, in welchen mir das Jahr 2016 Lebewohl sagen kann.
3 Tage, in welchen sie alle noch herein stürmen werden.
Mich durchschütteln.
Mich aufwecken.
Mich erinnern und pieksen.

Und 2017 wird gut.

Heute Früh erwachte ich aus einem Traum von meiner Mutter.
Wie sie mich angriff, weil ich sie verachten würde.
Dass ich mich für etwas besseres hielte.
Dass ich selbst Schuld sei an allem.
Dass ich es nicht anders gewollt hätte.

Und dass sie doch alles für mich getan hätte.

Ein Jahr verabschiedet sich.
Ich wünsche Euch allen das Beste.
Laßt Euch nicht unter kriegen.   ❤


Gebloggt am 29.12.2015

NIX

11 Kommentare zu “Und ganz unten; ganz tief unten….

    • Es hilft mir oft, wenn ich mir meine Kaffeerunde bildlich vorstelle.
      All meine ausgestoßenen, ungeliebten und einsamen Ichs, wie sie sich völlig ausgemergelt und fast tot über die lebensrettende Tafel hermachen – aus Not; nicht aus Hass.

      Es ist hart, sie alle anzusehen und auszuhalten und schwer „etwas“ zu lieben, das sich so widerwärtig verhält.

      Und doch… all das bin ich selbst.
      Lieben zu lernen heilt.
      Dir viel Kraft und Liebe zu dir selbst.

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